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48. Lucien/Emmanline

  Sein Blick wanderte immer wieder zu ihr. Mühsam setzte Emmanline auf, k?mpfte gegen die Schwere ihres K?rpers und des drohenden Bewusstseinsverlustes. Diese verdammten Vampire hatten ihr zu viel Blut genommen... zu viel. Sie war geschw?cht, verletzlich... und das entfachte Luciens Zorn nur noch mehr. Jede Bewegung, jeder Atemzug von ihr lie? ihn spüren, wie sehr sie gelitten hatte. Schuldgefühle nagten an ihm. Warum war er nicht früher gekommen? Warum hatte er sie nicht beschützt? Blut klebte an Luciens Kleidung, tropfte von seinen Fingern, zog dunkle Spuren über sein Gesicht. Schwer atmand stand er inmitten der zerfetzten K?rper, die Brust hob sich sto?weise. Der letzte Vampir war gerade mit einem dumpfen Laut zu Boden gegangen. Stille. Nur das leise Tropfen von Blut auf Stein und sein eigenes Herz, das wie ein Hammer schl?gt und dann stürzte er zu ihr. Er hockte sich vor ihr, prüfte jeden Zentimeter ihres K?rpers.

  ?Emmanline...“ Sein Flüstern war rau, schnell heiser. Sorgf?ltig kontrolliert er ihren Hals, ihre Handgelenke... Schürfwunden, Bissspuren. Nichts Lebensbedrohliches, doch das Blut floss noch stark. Finster sah ihr blasstes Gesicht an, das gegen die Ohnmacht k?mpfte. Vorsichtig nahm er ihr Gesicht in seine H?nde. ?Schau mich an.“ Kein Befehl... nur eine Bitte. Emmanline hat es versucht. Ihre silbernen Augen fanden ihn für einen Herzschlag, glasig, müde, dann drifteten sie wieder ab. ?Du blutest noch zu stark“, sagte er ruhig, aber mit dieser unumst??lichen Bestimmtheit, die keinen Widerspruch duldete. ?Ich muss die Wunden verschlie?en. Wehr dich nicht, ja? Ich schw?re dir, ich tue dir nicht weh.“ Behutsam neigte Lucien ihr Kinn zur Seite. Ihr K?rper verkrampfte sich sofort. ?Sssccht...“, flüsterte er beruhigend. ?Ich werde nichts tun, was du nicht willst.“ Sanft strich er mit blutverschmierten Daumen über ihre Wangenknochen, blickte ihr fest, aber behutsam in die Augen. Emmanline klingelte innerlich, doch ein schwaches Nicken best?tigte ihm, dass sie ihn duldete... aber kein Vertrauen schenkte. Das reichte Lucien.

  Dann senkte Lucien langsam den Mund zu ihrem Hals. Der erste Kontakt seiner Zunge mit ihrer Haut traf ihn wie ein Blitz aus reinem Licht. Ihr Blut, warm, sü?... sü?er als alles, was er je gekostet hatte, explodierte auf seiner Zunge. Es war, als würde flüssige Sonne in ihn hineinflie?en, als würde jede Zelle in seinem K?rper gleichzeitig aufschreien und nach mehr verlangen. Ein tiefes, animalisches St?hnen entkam ihm, bevor er es zurückhalten konnte. Die Welt verschwamm. Es gab nur noch diesen Geschmack, diesen Duft... sie . Lucien biss die Z?hne zusammen, bis sie knirschten.

  Rei? dich zusammen. Du brauchst dich. Jetzt.

  Ein zweiter, langsamer Streich über die Bisswunde und ein z?rtlicher Kuss auf die Stelle. Wieder dieser Geschmack, der ihn fast in die Knie zwang. Sein Herz donnerte, seine H?nde zitterten an ihrem Nacken und etwas Dunkles, Besitzergreifendes regte sich in ihm: Mein. Sie geh?rt mir.

  Lucien zwang sich, die Kontrolle zu bewahren. Sein Speichel, durchdrungen von Drachenessenz, wirkte sofort... das Blut gerann, die R?nder zogen sich zusammen, das helle Rot dunkelte ab und h?rte auf zu flie?en. Ein leises, unwillkürliches St?hnen... nicht von ihm, sondern von ihr... drang an sein Ohr. Erleichterung durchflutete ihn, gemischt mit etwas Sanfterem, etwas Weicherem. Ihr K?rper entspannte sich ein wenig und sank gegen ihn. Vorsichtig wandte Lucien sich ihren Handgelenken zu. Behutsam legte er sie in seine H?nde und begann mit dem Linken. Mit einer Sanftheit, die er kaum von sich kannte, glitt seine Zunge über die Einstichl?cher und leckte das restliche Blut auf. Euphorie durchflutete ihn, berauschte seine Sinne. Emmanlines Blut war sü?, berauschend, überw?ltigend... ein Geschmack, der ihn gleichzeitig fesselte und beherrschte. Erneut küsste Lucien die Wunde, dann das andere Handgelenk, stets vorsichtig und z?rtlich. Schlie?lich sank ihr K?rper schlaff in seinen Armen. Bewusstlos lag sie reglos vor ihm und ein bedrückendes Gefühl machte sich breit. Sie war gezwungen, sich ihm schutzlos anzuvertrauen... etwas, das sie niemals freiwillig getan h?tte. Seine Finger krallten sich fester in ihren Nacken, nicht aus Schmerz, sondern aus verzweifeltem Bedürfnis, Emmanline nie wieder loszulassen. Jede Berührung brannte sich in ihn ein... sü?, gef?hrlich, unausl?schlich. Als Lucien fertig war, lehnte Emmanline schwer an seiner Brust. Die Augen geschlossen, bewusstlos, aber am Leben. Ihr Herzschlag war schwach, doch gleichm??ig. Sie atmete.

  Lucien zog Emmanline eng an sich, eine Hand in ihrem Nacken, die andere fest um ihre Taille. Ihr Kopf fiel gegen seine Schulter, das blutverschmierte Haar streifte seine Wange. ?Du wirst leben“, murmelte er heiser in die weichen Str?hnen, die Stimme rau vor unterdrücktem Verlangen und unendlicher Erleichterung. ?Und wenn ich dafür die ganze Welt in Brand stecken muss.“

  Dann stand Lucien auf, Emmanline sicher in seinen Armen und trug sie fort, weg von der Lichtung, weg von Tod und Blut. Er wusste genau, wohin. Ein Ort, den er seit Jahren nicht mehr betreten hatte. Ein Ort, an dem niemand sie finden würde, w?hrend Emmanline sich erholte, würde Lucien überlegen, wie er sie davon überzeugen konnte, dass sie bei ihm sicherer war als irgendwo sonst.

  Emmanline

  Eine schwere Tr?gheit lastete auf ihr, als Emmanline langsam wieder zu sich kam. Jeder Versuch, klar zu denken, war ein Kampf gegen die l?hmende Müdigkeit. Stück für Stück kehrten die Erinnerungen zurück... zuerst die glühend roten Augen, die sich tief in ihr Unterbewusstsein gebrannt hatten… die Gier, Wahnsinn und Blutdurst vereinten. Diese Monster hatten Emmanline gejagt, verspottet und gefangen, bis sie sich ihnen wehrlos ausgeliefert hatte. Dann war nur noch der brennende Schmerz geblieben, ein glei?ender Schrei, der in ihrem Kopf widerhallte. Die Dunkelheit hatte sie fast verschlungen; das Leben schien sekündlich aus ihr herausgesogen zu werden, w?hrend die Vampire sich an ihr labten. Emmanline hatte dem Tod bereits ins Gesicht geblickt… und er h?tte sie fast geholt.

  Doch dann war da… dieses Brüllen gewesen. Vertraut und doch fremd zugleich. Selbst geschw?cht hatte sie jede Nuance gespürt... die Wut, den Zorn, die unerschütterliche Entschlossenheit dahinter. Alles war gleichzeitig zu schnell und endlos langsam gewesen. Mühsam k?mpfte Emmanline gegen die Ohnmacht an, gegen die Lücken in ihrem Ged?chtnis, die ihr das volle Bild raubten. Dann erblickte sie die goldenen, glühenden Augen. Ein Funke Wissen flackerte auf... das Brüllen geh?rte ihm.

  Dem Drachen.

  Emmanline wusste es, doch die Erinnerung entglitt ihr wie Wasser durch die Finger. Dieses Vergessen schmerzte tief, wie ein Verlust. Nur ein letzter Funke fehlte, um alles wieder zusammenzufügen… und instinktiv spürte sie, dass sie sich erinnern musste... er war es gewesen, der sie gerettet hatte. Mit gr??ter Anstrengung zwang Emmanline ihren Geist, wach zu bleiben. Ihre Augenlider fühlten sich schwer wie Blei an, doch langsam ?ffnete sie sie. Zuerst verschwommen, doch das Licht blendete sie nicht. Ein warmes, sanftes Leuchten füllte die Umgebung, begleitet von einem sü?lichen Duft nach Blüten, exotischen Pflanzen und Erde. Ihr K?rper entspannte sich zum ersten Mal seit Langem. Stück für Stück wurden die Konturen klarer. Mit jedem Blinzeln nahm ihr Sichtfeld Formen an. Ger?usche drangen an ihr Ohr... leises Rascheln, das Pl?tschern von Wasser. Noch immer konnte Emmanline sich nicht bewegen, war kraftlos, doch der Wille, zu verstehen, wo sie war und was geschehen war, k?mpfte sich zurück.

  ?Du solltest liegen bleiben.“ Die Stimme war tief, m?nnlich und gleichzeitig beruhigend. Emmanline zuckte zusammen, als eine sanfte Hand auf ihre Stirn und die andere auf ihre Schulter gelegt wurde. Schockiert drehte sie den Kopf und blickte in goldene, glühende Augen. Ihr Herz setzte einen Schlag aus, ihr Atem beschleunigte sich unkontrollierbar. Sein Erscheinen, seine m?chtige Pr?senz... alles an ihm durchdrang sie wie ein Stromsto?. Sein schwarzes, langes Haar fiel in weichen Str?hnen über die Schultern, seine schwarze Kleidung lag wie eine zweite Haut an ihm, betonte jeden Muskel und jede Bewegung. Die Gesichtszüge waren markant, ausdrucksstark, zugleich gef?hrlich und verlockend. ?Schon gut, Emmanline. Dir wird niemand mehr etwas antun. Du bist in Sicherheit.“

  Die Worte lie?en Emmanline innehalten. Sie wusste genau, wer vor ihr stand. Der Drache... derjenige, der sie gerettet hatte. Nicht nur seine blo?e Anwesenheit brachte sie aus der Fassung... es waren die sanften Berührungen, wie er immer wieder über ihr Haar strich, seine warme, beruhigende Stimme, die sie umhüllte und der Blick, der Schutz und unerschütterliche Kraft ausstrahlte. Alles an ihm, was sonst H?rte, Macht und Dominanz verk?rperte, wirkte nun unendlich sanft… und genau das erschreckte Emmanline, lie? ihr Herz stolpern und den Atem stocken. Unf?hig, ihn weiter anzusehen, wandte sie den Kopf ab. Mühsam versuchte sie, sich aufzurichten. Sie wollte nicht kampflos daliegen, nicht schwach wirken... auch wenn ihr K?rper zitterte, und sie wusste, dass sie keine Chance hatte. Doch jede Bewegung, jeder Versuch, St?rke zu zeigen, fühlte sich bedeutungslos an neben seiner Pr?senz, die sie zugleich schützte und überw?ltigte.

  Stolen from its original source, this story is not meant to be on Amazon; report any sightings.

  ?Lass mich.“ Ihre Stimme war rau, brüchig, doch sie schluckte den Schmerz wie immer hinunter.

  Ein tiefes Grollen vibrierte durch die Luft... sofort wusste Emmanline, dass es von ihm kam. ?Stures Ding…“, knurrte er, hielt sie aber nicht auf. Stattdessen stützte er sie vorsichtig, half ihr, sich aufzurichten. Sanft, aber bestimmt lehnte er sie gegen eine harte Felswand, sodass sie nicht zurückfallen konnte.

  ?W… wie lange war ich bewusstlos?“ Ihr Flüstern war kaum mehr als ein Hauch.

  Bevor er antwortete, drückte er ihr eine kleine Flasche in die Hand. ?Du solltest etwas trinken.“ Dann fügte er ruhig, aber mit tiefer, rauer Stimme hinzu: ?Ungef?hr neunzehn Stunden.“ Ein Schauer jagte ihr über den Rücken. Neunzehn Stunden… schutzlos, ausgeliefert... verletzlich. ?Trink, Emmanline.“

  Emmanline betrachtete das kleine Gef?? in ihren H?nden. Eine dunkle Flüssigkeit schimmerte darin, ein verlockender, schwerer Duft stieg ihr in die Nase. Ihr Blick wurde klarer, die Welt ringsum sch?rfer… und er war nah. Zu nah. Sein Gesicht, die goldenen Augen, in denen Sorge, Wut und Entschlossenheit glühten, fixierten sie unbeirrt. Doch wofür? Zorn? Rache? Sie konnte es nicht greifen und genau das lie? ihr Herz noch schneller schlagen. ?Lass das. Ich will das nicht.“ Emmanline verstand diese pl?tzliche Freundlichkeit nicht, nicht nach allem, was er ihr angetan hatte. Diese unerwartete Sanftheit jagte ihr mehr Angst ein als seine rohe Brutalit?t. Und er schien es nicht einmal zu bemerken. Er ordnete sich die Welt, wie es ihm passte, ohne je auf sie Rücksicht zu nehmen, und genau das brachte sie innerlich zum Kochen. Der Drache durfte sich nicht einbilden, irgendetwas von ihr verlangen zu k?nnen. Schon gar nicht etwas, das sie ihm niemals geben würde. ?Ich brauche das alles nicht. Ich brauche deine Hilfe nicht“, sagte sie scharf und abwehrend.

  ?Und ob du die brauchst“, knurrte er und sein Blick verdunkelte sich. Doch sie wich keinen Millimeter zurück. Jetzt nicht nachgeben. ?Dass du meine Hilfe nicht brauchst, habe ich ja deutlich gesehen“, fuhr er sp?ttisch fort. ?Erz?hl mir keinen Unsinn. Nimm einfach, was ich dir anbiete.“

  ?Warum sollte ich?“ Ihre Stimme blieb fest, der Blick hart wie Stahl.

  Ein leises, gef?hrliches Grollen war die Antwort. ?Ich wei?, dass ich dir bisher keinen Grund gegeben habe, mir zu vertrauen. Oder auch nur ein einziges Wort zu glauben.“ Seine Stimme wurde tiefer, rau, überraschend ehrlich. ?Aber ich meine es ernst, wenn ich sage, dass ich hier bin, um dir zu helfen. Und um dich zu beschützen.“

  Warum? Ihr Blick wurde kalt. Eisig. ?Warum?“, wiederholte Emmanline leise. ?Warum ist es dir auf einmal so wichtig, mich zu beschützen? Oder mir zu helfen? Bisher hast du nicht gerade Interesse daran gezeigt.“ Sie hob das Kinn, ihre Stimme ein schneidender Hauch. ?Letzten Endes bin ich eine Gefahr für euch. Ich habe mein Leben bei Culebra verbracht. Ihr seid Todfeinde.“ Ein bitteres L?cheln huschte über ihre Lippen. ?Ich bin wohl kaum jemand, dem man Schutz oder Vertrauen schenken sollte. Vielleicht bin ich ja hier, um euch auszuspionieren. Informationen weiterzugeben. Damit er euch vernichten kann.“ Ihre Worte trieften vor Bitterkeit und einer unterschwelligen Drohung, die sch?rfer ausfiel, als sie beabsichtigt hatte.

  ?H?r auf damit!“, fauchte er. Laut, wütend, seine Stimme vibrierte vor kaum gezügeltem Zorn.

  ?Nein!“ Auch Emmanline wurde laut, hart und trotzig. ?Ich werde nicht aufh?ren. Oder willst du mir wieder drohen? Willst du mir wehtun?“ Trotz der Angst, die ihr Herz zusammenpresste, lehnte sie sich ihm entgegen. ?Nur zu. Tu dir keinen Zwang an.“ Sie forderte ihn heraus. Wirklich heraus. Vielleicht war sie lebensmüde. Vielleicht einfach nur fertig.

  ?Du provozierst es wirklich, M?dchen. Nicht wahr?“ Seine Stimme war dunkel, gef?hrlich ruhig und sein Blick glühte wie geschmolzene Lava. Emmanline spürte, wie er sich in sie bohrte, jede Faser seines Wesens auf sie gerichtet. ?Willst du, dass ich dich so behandle? Willst du, dass ich dir wehtue?“ Ein scharfkantiges, überlegenes Grinsen glitt über seine Lippen. ?Langsam begreife ich, was du hier versuchst.“ Die Worte trafen sie wie ein Peitschenhieb... nicht ihr Inhalt, sondern die ruhige unerschütterliche Gewissheit darin. ?Du hoffst, dass irgendwann jemand die Geduld verliert. Dass einer von uns sich deiner entledigt.“ Emmanline erschrak nicht über die Wahrheit selbst. Sie erschrak darüber, dass er sie so klar aussprach, so sicher, so unnachgiebig. ?Aber bei mir wird das nicht funktionieren, Emmanline.“ Sein Ton wurde weicher, fast sanft, als seine Hand ihre Wange berührte... eine Berührung so zart, dass sie wie Hohn wirkte. Emmanline zuckte zusammen, doch er lie? ihren Blick nicht los. ?Ich wei?, dass ich recht habe“, murmelte er leise. ?Doch das wird nicht geschehen. Versuch es ruhig weiter… und du wirst sehen, was du davon hast.“ Sein Daumen strich kurz über ihre Haut, dann fuhr er fort: ?Verschwende deine Kr?fte nicht darauf. Es lohnt sich nicht. Du solltest wissen, wie stur Drachen sein k?nnen.“ Sein Blick verengte sich, eindringlich, fordernd. ?Also? Wirst du es weiterhin versuchen?“

  Ihr Mund ?ffnete sich, schloss sich wieder. Kein Wort wollte heraus. Nur der Knoten in ihrer Brust zog sich enger. Ihre Stirn legte sich in Falten, und fast verloren hauchte Emmanline: ?I... ich verstehe nicht, was du damit bezweckst. Warum?“ Dieses endlose Warum brannte in ihr. Sie konnte ihn einfach nicht durchschauen.

  ?Du musst mir einfach vertrauen, dass ich dich beschützen will“, sagte er schlicht, als br?uchte es keine weitere Erkl?rung.

  ?Das … das kann ich nicht.“ Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, brüchig, zerrissen von Angst und Misstrauen. ?Ich kann dir nicht vertrauen.“

  ?Vielleicht nicht jetzt.“ Seine Worte kamen tief, ruhig... wie ein Versprechen, das zu sicher klang, um falsch zu sein. ?Aber eines Tages.“ Sein Blick verharrte auf ihrem, als wollte er es für immer in ihr verankern. ?Ich werde es dir beweisen.“

  Emmanline schüttelte den Kopf... klein, verzweifelt. ?Nein… du lügst.“ Ihre H?nde legten sich gegen seine Brust, drückten, stie?en, doch selbst ihr verzweifeltes Zerren brachte ihn keinen Millimeter von ihr weg. Er stand zu nah. Viel zu nah. Seine N?he erdrückte sie, raubte ihr den Atem, dr?ngte sich in jeden Gedanken, jeden Herzschlag. Wie konnte ein einziger Mann allein durch seine blo?e Anwesenheit sie so aus der Fassung bringen? Wie konnte er sie so… durcheinanderbringen? ?Der Rubin… er ist schuld daran.“ Ihre Stimme war heiser, kr?chzend, ein Gedanke, der wie ein Hammerschlag einschlug. Der blutrote Stein. Der Fluch, der ihr Schicksal besiegelte. Ihre Finger zitterten, als sie den Rubin aus ihrer Tasche zog. Das unheilvolle Glimmen spiegelte sich in ihren Augen und der alte Schrecken kroch unaufhaltsam in ihr hoch. ?Deswegen bist du hier“, flüsterte Emmanline, kaum h?rbar. ?Das ist der Grund. Er ist wieder bei mir… ein weiterer Diebstahl.“ Sie hielt ihm den Rubin entgegen, zwang sich, in seine Augen zu sehen, hoffte auf irgendeine Reaktion.

  Doch der Drache blickte nicht auf den Stein. Nicht einmal für einen Wimpernschlag. Sein gesamter Fokus lag auf ihr. Nur auf ihr. Als w?re der Rubin bedeutungslos, als w?re all die Gefahr, vor der sie sich fürchtete, im Vergleich zu ihr verblasst. Emmanline spürte, wie ihr Herz stolperte. Was stimmte hier nicht? Warum war der Rubin pl?tzlich unwichtig? Und warum lie? sein Blick... so brennend, so intensiv... sie alles andere vergessen?

  Sanft, viel zu sanft, legte der Drache seine Hand um ihr Handgelenk und drückte es nach unten, bis der Rubin wieder auf ihrem Scho? lag. Die Berührung war warm, kontrolliert, doch in ihrer Z?rtlichkeit lag etwas Gef?hrlicheres als jede Gewalt. ?Das ist nicht der Grund, weswegen ich gekommen bin“, sagte er ruhig. Sein Ton war so sicher, so unbeirrbar, dass ihr Atem stockte. ?Natürlich habe ich gesehen, wie der Rubin vor meinen Augen verschwunden ist… aber das war der Moment, den ich brauchte.“

  ?Wofür?“ Ihre Stimme war heiser. Ein Flüstern. Und Emmanline wusste... sie kannte die Antwort l?ngst, doch sie fürchtete sich davor, sie zu h?ren.

  Sein Blick wurde ernst. Schmerzhaft ehrlich. Kein Schatten. Keine Ausweichbewegung. Nur Wahrheit. ?Um zu dir zu gelangen.“ Der Boden schien unter ihr zu schwanken. Keine Lüge. Keine T?uschung. Seine Worte waren pur, klar, unumst??lich... und sie wussten, dass er sie nicht belog. ?Ich werde ehrlich zu dir sein, Emmanline.“ Seine Stimme wurde weicher, tiefer, schnell… verletzlich. ?Mein Schwur hindert mich daran, dich zurückzuholen. Aber aus irgendeinem verdammten Grund will mein Drache, dass du bei mir bleibst.“ Seine Finger verkrampften sich leicht um ihr Handgelenk... nicht schmerzhaft, sondern als wollte er die Wahrheit in ihre Haut brennen. ?Ich verstehe es selbst nicht.“ Sein Blick glitt über ihr Gesicht, als suche er dort die Antwort, die er selbst nicht fand. ?Aber ich kann mich nicht dagegen wehren. Ich muss herausfinden, was genau es ist, das meinen Drachen so an dir reizt.“

  Ihre Kehle wurde trocken. Fast schmerzhaft eng. Meinte er das wirklich ernst? Wenn ja… dann steckte Emmanline in weit gr??eren Schwierigkeiten, als sie je geahnt hatte. Ein Drache, der sich für sie interessierte. Eine Aufmerksamkeit, die sie nie gewollt hatte. Das war kein Begehren, das verging. Kein Interesse, das schw?cher wurde. Drachen waren stur. Besessen, unerbittlich... und wenn sein Drache sich wirklich von ihr angezogen fühlte... dann war ihre Flucht aussichtslos.

  Keine Chance. Keine Freiheit. Keine Luft.

  Nur die drohende Gewissheit, dass die Fesseln diesmal nicht aus Eisen bestehen würden. Nicht aus Gitterst?ben, sondern aus ihm. Aus seiner Fixierung, seinem Willen... seinem Anspruch und wenn ein Drache beschloss, sie bei sich zu behalten… dann würde es kein Entkommen geben. Nicht für Tage. Nicht für Wochen. Sondern so lange, wie ein Drache es verlangte.

  Wie sollte sie das überleben?

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