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41. Emmanline/Raiden/Lucien

  Noch immer hielt der Bruder des Drachen Emmanline fest im Griff, und seine Geduld schwand merklich. Es ermüdete ihn, wie ungestüm Drachen sein konnten... hitzk?pfig und unberechenbar. Ihnen fehlte zwar die Gabe der Geduld, doch ihre z?he Ausdauer machte sie zu Gegnern, die man niemals untersch?tzen sollte.

  Raiden

  ?Du wei?t doch, dass ich es sofort gespürt habe, als wir das Zimmer stürmten. Jesaja war hier. Warum?“ Sein Knurren war roh, fordernd... ein Laut, der keinerlei Zweifel daran lie?, wie sehr Raiden diese Antwort brauchte. Es brannte in ihm. Jesaja war hier gewesen. So nah, dass er h?tte nach ihr greifen k?nnen... und doch war sie ihm entglitten wie Rauch.

  Zum ersten Mal seit vielen Jahrzehnten hatte Raiden ihre Pr?senz so klar gespürt. Kaum hatte sein Bewusstsein sie erfasst, war er losgestürmt, getrieben wie ein entfesselter Sturm, dem Echo ihrer Essenz hinterher. Ihrem Duft nach Rosenwasser... sü?, weich, verführerisch... einer Sucht, der weder er noch sein Drache je entkommen konnten. Sein ganzer K?rper vibrierte, sein Innerstes stand in lodernden Flammen. Wie damals, in jener Nacht, die sich unausl?schlich in seine Seele eingebrannt hatte.

  Jesaja war hier gewesen. Sein Engel. Sein einziges Licht. Sie geh?rte ihm. Niemand anderem. Eines Tages würde Raiden sie wieder in die Arme schlie?en... das hatte er sich selbst geschworen. Nicht leise oder im Vorübergehen, sondern in jenen N?chten, in denen ihre K?rper im Wasser wie an Land ineinander verschmolzen waren, bis sie atemlos nebeneinanderlagen.

  Sie geh?rt mir.

  Sein Drache brüllte es in ihm, besitzergreifend, uralt und unverrückbar.

  Emmanline

  Emmanline spürte den inneren Kampf, der in ihm tobte, das lodernde Feuer, das in seinen Augen aufflammte. Dieser Engel bedeutete ihm wirklich etwas... mehr, als er je zugeben würde. Ihre eigene Spannung l?ste sich langsam aus ihrem K?rper und ihr Blick blieb ruhig auf ihm liegen. ?Sie ist dir wichtig …“ hauchte Emmanline, kaum lauter als ein Atemzug. Doch der Drache stand so nahe, dass ihm kein Wort entging. Ein tiefes, kehliges Knurren war die einzige Antwort, die er ihr gab, aber es genügte. Mit einem leisen, ersch?pften Seufzen senkte sie die Schultern, fast wie jemand, der sich endlich geschlagen gab. ?Ich habe sie um Hilfe gebeten. Damals in der H?hle, als ich sie befreit habe, sagte sie, sie stehe in meiner Schuld und ich k?nne sie jederzeit rufen, damit sie diese begleicht.“ Ihre Lippen pressten sich fest aufeinander, als wolle sie das n?chste Wort zurückhalten. ?Heute hat sie ihre Schuld beglichen.“

  ?Sie stand in deiner Schuld.“ Keine Frage, eher die Feststellung, weil es so war. Er runzelte die Stirn, seine Stimme schneidend vor Forderung. ?Wieso bist du dann noch hier? War es nicht dein Wunsch, von hier zu verschwinden? Das w?re deine Chance gewesen.“ Eine Frage jagte die n?chste aus seinem Mund, ungezügelt, dr?ngend.

  ?Ja, du hast Recht. Ich h?tte diese Chance gehabt … aber sie h?tte mir nicht wirklich etwas gebracht.“ Ihre Lider senkten sich halb, ein schwerer Atem hob und senkte ihre Brust. ?Doch aus irgendeinem Grund habe ich es nicht getan.“ Ein Seufzen l?ste sich aus ihr... schwer, nachdenklich, von einem feinen Hauch Reue durchzogen. Allein der Gedanke an ihre erneute Begegnung mit diesem Drachen nach drei langen Monaten lie? ihre Kehle enger werden. Sein Blick … dieser stechende Ausdruck von Verrat, der Emmanline getroffen hatte wie ein Messerstich. Doch schlimmer noch waren die Gefühle in ihr selbst gewesen. Verwirrt, widersprüchlich, gef?hrlich nah an etwas, das sie nicht fühlen durfte... und doch nicht abwehren konnte.

  Erst jetzt l?ste er seine Hand von ihrem Nacken. Emmanline ?ffnete überrascht die Augen, als h?tte sie den Moment des Loslassens nicht vorausgeahnt. Sie sah zu ihm auf, w?hrend er sogar einen Schritt zurückwich, als müsse er erst wieder Herr über sich selbst werden. ?Verrate mir, worum hast du sie gebeten?“ Seine Stimme war ruhig, fast zu ruhig… doch der brennende Hunger in seinem Blick entlarvte ihn vollst?ndig.

  ?Ich bat sie darum, mich zu denen zu bringen, die das Sagen haben.“ Die Worte kamen sofort, reflexhaft, als h?tten sie sich schon viel l?nger in ihr angestaut, als Emmanline selbst wahrhaben wollte. Der Drache erstarrte und überraschung flackerte in seinen Augen, gefolgt von Irritation, die sein ganzes Gesicht durchzog... als k?nne er schlicht nicht glauben, was sie da gesagt hatte. Emmanline … sie konnte es selbst kaum fassen. Je l?nger sie darüber nachdachte, desto unwirklicher erschien es ihr. Als h?tte sie die Entscheidung in einem Moment getroffen, in dem ihr Verstand und ihr Herz sich voneinander gel?st hatten.

  ?Warum hast du das getan?“ Seine Stimme war rau, unschlüssig, fast ungl?ubig.

  ?Ich wei?… das mag unglaubwürdig klingen, und genau so fühle ich mich auch.“ Emmanline senkte den Blick, lie? ihn über den Boden wandern, w?hrend ein paar wei?e Str?hnen über ihre Schultern fielen. Nerv?s rieb sie ihre H?nde an den Oberschenkeln, die Handfl?chen leicht feucht. ?Ich wei? nicht, warum ich es getan habe. Ich wollte nur den Drachen, deinen Bruder... befreien. Damit sie ihn gehen lassen.“ In diesem Moment schien der Raum unter einer Totenstille zu erstarren. Der Drache vor ihr war nicht t?dlich und doch füllte seine blo?e Pr?senz jeden Winkel, als würde jede Bewegung, jeder Atemzug den Raum gefrieren lassen.

  ?Du hast was?“ Seine Stimme wurde lauter, die Augen weiteten sich vor Unglauben, dann verengten sie sich scharf, als wollte er in ihr erkennen, ob sie die Wahrheit sagte. Wieso war er nur so wütend? Konnte er nicht froh sein? Der Drache zog tief Luft durch die Nase, die Nasenflügel bebten leicht. Dann spannte er sich wie ein gespannter Bogen an. ?Ihr heiligen G?tter… du sprichst die Wahrheit. Ich rieche es. Du sagst die Wahrheit.“ Ein weiterer Schritt zurück. Sein Blick glitt über sie... von Kopf bis Fu?, prüfend, scharf und fordernd. ?Warum solltest du das tun? Wir haben dich nicht gerade freundlich empfangen.“ Seine Stimme war eine Mischung aus Wut, Unglauben… und etwas anderem, das Emmanline nicht benennen konnte.

  ?Ich sagte doch, ich wei? es nicht… oder vielleicht doch.“ Ihre Stimme senkte sich, der Blick verlor W?rme, wurde hart und gefühllos. Nichts wünschte sie sich mehr. ?Ich will einfach nur frei sein und das kann ich nur, wenn dein Bruder hier ist. Es spielt keine Rolle, ob andere mir helfen... alles andere würde mir nichts nützen. Ein Versprechen h?lt mich zurück. Solange ich ihm nicht seinen Schatz zurückgebe, muss ich bei ihm bleiben. Erst danach… erst danach muss er mich gehen lassen. Denn selbst er hat ein Versprechen abgelegt. Das ist der einzige Grund.“

  Die Stille im Raum wurde unertr?glich, schwer wie Blei. Seine Augen starrten sie unbewegt an, und Emmanline spürte f?rmlich, wie sein Geist von Gedanken überflutet wurde. ?Und was hast du erreicht?“, fragte er schlie?lich, die Stimme ruhig, fast vorsichtig. Sie hatte eigentlich damit gerechnet, dass er als Erstes neue Fragen stellen würde.

  Sie hob den Blick und sah ihn mit silbernen Augen an. ?Ich denke, er wird auf dem Weg hierher sein. Vermute ich zumindest.“ Emmanline zuckte mit den Schultern. Sie war ja nicht lange geblieben, bis er von seinen Ketten befreit wurde. Sicher sprachen sie noch miteinander... und nachdem wie der Drache geredet hatte, war sie sich unschlüssig, ob die G?ttin ihn dann überhaupt gehen lassen würde. ?Sofern er die G?ttin nicht weiter erzürnt hat.“ Ihre Stimme klang gleichgültig, doch innerlich widersprach sie sich selbst. Der Drache sollte zurückkommen.

  Sein Blick glitt an ihr vorbei, hinaus zum Fenster und in die Ferne. ?Du hast es geschafft? Und du bist der G?ttin begegnet?“, fragte er, die Stimme leicht z?gerlich, fast ungl?ubig. Erinnerungen an das erste Zusammentreffen im Himmelreich flackerten in ihm auf. ?Ich kann es erst glauben, wenn Lucien hier ist.“ Emmanline konnte seine Skepsis verstehen... ihr selbst würde es nicht anders gehen. Doch seine Haltung ?nderte sich abrupt. Mit einem Satz stürmte er zum Fenster. ?Er kommt.“ Mehr ein Murmeln zu sich selbst, dann drehte er sich blitzartig zu ihr um. Langsam fühlte Emmanline sich unter seinen unnachgiebigen Blicken immer unbehaglicher. Das st?ndige Starren lie? sie nerv?s werden. ?Wie hast du das nur geschafft? Keiner von uns hat es vermocht. Verrate es mir.“ Doch sie schwieg. Sie wollte es auch nicht preisgeben.

  Ein lautes Brüllen erschütterte das ganze Schloss. Erst jetzt spürte Emmanline, wie die Angst in ihr aufstieg, ihr Herz raste, unnatürlich und schwer. Sie wandte sich zur Tür. Nicht mehr lange und er würde in das Zimmer stürmen… wütend, rasend, wie im Himmelreich, als er ihr jenen hinterh?ltigen Blick zugeworfen hatte. Dabei hatte sie nur geholfen... und doch schien das für ihn keinerlei Bedeutung zu haben.

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  Lucien

  Lucien schoss wie ein Blitz durch die Lüfte, jede Sekunde z?hlend, auf dem Weg zurück zum Schloss. Antworten... er verlangte Antworten. Viele Antworten und nur die kleine Elfe konnte sie ihm geben. Wie hatte sie es geschafft? Erstens, ins Himmelreich zu gelangen... allein das erschien ihm unm?glich. Und vor allem, wie hatte sie es geschafft, ihn daraus zu befreien, wenn zuvor niemand anderes dazu imstande gewesen war?

  Sein Kopf war ein Wirbel aus Gedanken, chaotisch und dr?ngend, die seine klaren überlegungen l?ngst überstiegen. Noch hatte Lucien keine schlüssige Antwort, doch er würde sie bekommen... das schwor er sich.

  Endlich tauchte das Schloss in der Ferne auf. Nur noch Minuten trennten ihn davon, bis er ankam... und dann hart auf dem Boden aufschlug, dass die Umgebung erzitterte. Sein Brüllen durchbrach die Luft... wild, ungestüm, voller Wut und roher Entschlossenheit. Binnen Sekunden nahm Lucien wieder seine menschliche Gestalt an und stürmte, ohne auch nur einen Moment zu z?gern, durch die Hallen des Schlosses. Seine nackten Fü?e trugen ihn wie von selbst zu ihr, jeder Schritt getrieben von purem Willen, ohne dass ein einziger bewusster Gedanke daran verschwendet wurde. Seine Umgebung v?llig ausgeblendet.

  Emmanline wartete in seinen Gem?chern. Schon aus der Entfernung konnte Lucien ihre Nervosit?t riechen... und darunter glomm ein winziger Funke Wut. Wut? Warum? Aus ihrer Sicht hatte sie überhaupt keinen Grund, zornig zu sein.

  Lucien konnte Stimmen um sich herum h?ren, neugierig, fragend, überrascht: Wie konnte er entkommen? Was macht er hier? Sicher waren alle verblüfft... und er selbst nicht minder. Doch er hatte weder Zeit noch Nerven, darauf zu achten. Die Elfe wartete auf ihn.

  Vor seinen Gem?chern angekommen, z?gerte Lucien keine Sekunde und riss die Tür auf. Sofort blieb er stehen. Emmanline war da, mitten im Raum. Ihre Sch?nheit... ihr schneewei?es Haar, die anmutige Haltung... füllte alles, doch sie wirkte verloren, unsicher. Die silbernen Augen weiteten sich schlagartig, als sie ihn erblickte. Stocksteif stand sie da, das Gesicht von einem unnatürlichen Rot durchzogen und holte erschrocken Luft.

  Mehrmals musterte Emmanline seine Gestalt, doch jedes Mal riss sie den Blick abrupt ab. Luciens Augen verengten sich, ein tiefes Knurren entfloh ihm. Wie konnte sie es wagen, ihren Blick von ihm abzuwenden? Die Wut in ihm wallte noch gr??er auf und erzürnte seinen Drachen. Blitzartig stand Lucien vor ihr und packte Emmanline fest an den Oberarmen. Ein entsetztes Ger?usch entfuhr ihr... so schnell hatte sie nicht damit gerechnet, dass er pl?tzlich vor ihr stehen würde. Dabei h?tte sie es wissen müssen. So naiv.

  ?Sieh mich an.“ Lucien sprach es streng, die Stimme hart, unerbittlich, und lie? keinen Raum für Widerworte. Z?gerlich wandte Emmanline den Kopf und blickte ihm in die Augen, die Lippen fest zu einem dünnen Strich gepresst. Der Funke der Wut in ihr war verflogen, doch an seine Stelle trat nun Standhaftigkeit. Glaubte sie wirklich, sie k?nnte sich vor ihm behaupten? Eine sehr naive Elfe. ?Ich habe eine Menge Fragen an dich, die ich verdammt noch einmal beantwortet haben will.“ Sein Knurren hallte bedrohlich, jede Silbe schwer vor Zorn. Ausflüchte duldete er keine. ?Was hattest du da zu suchen? Und vor allem… wie hast du es geschafft, dorthin zu gelangen?“ Lucien schüttelte Emmanline leicht, als wollte er die Antworten aus ihr herauspressen, und seine Augen funkelten wie glühende Kohlen voller ungestümer Erwartung.

  Emmanline

  Emmanline schnappte entsetzt nach Luft, als die Tür mit einem Schlag aufgerissen wurde. Sofort erstarrte sie, als sie seine Gestalt erblickte. Sie wusste l?ngst, wie gef?hrlich und t?dlich er sein konnte... doch wie er jetzt in der Tür stand, wirkte er noch aggressiver, noch bedrohlicher. Alles an ihm schrie nach Gefahr und tobender Wut. Und dann das Schlimmste... der Drache war g?nzlich nackt in den Raum geplatzt.

  Wieso besa?en Drachen keinen Funken Schamgefühl?

  Nicht alle Wesen waren so unversch?mt offen. Sie geh?rte zu jenen, die gehemmt waren und konnte diesem Anblick kaum standhalten. Emmanline fühlte, wie ihr das Blut in die Wangen schoss und wünschte sich, im Erdboden zu versinken. Konnte er sich vorher nichts anziehen? Seine feurigen Augen sprühten goldene Funken und der Orkan, der darin tobte, machte die Luft zwischen ihnen kaum ertr?glicher. Es war, als sei all seine Energie direkt auf sie gerichtet und es verbrannte sie innerlich. Doch am Ende verstand Emmanline nicht, warum er so unb?ndig wütend war. Sie hatte ihn doch befreit... genau das, was er wollte. Je l?nger der Drache sie jedoch anstarrte, desto dichter und bedrohlicher schien sich sein Zorn aufzubauen. Ihr Herz schlug schneller, Panik und Verwirrung wirbelten in ihr auf. Was hatte sie nur falsch gemacht?

  Emmanline kam erst wieder zur Besinnung, als ihr Blick unwillkürlich erneut über seinen K?rper wanderte. Sie musste die Augen abwenden... doch das schien unm?glich. Diesmal jedoch war nichts von der Reaktion zu erkennen, die sie beim ersten Mal noch gesehen hatte. Kein Funken jener Regung, die nur ein Mann zeigen konnte. Instinktiv riss sie ihren Blick ab. Aber natürlich passte es dem Drachen wieder nicht. Emmanline hatte wirklich nicht damit gerechnet, dass er binnen einer Sekunde direkt vor ihr stehen würde. Seine H?nde packten hart zu, die Finger gruben sich in ihre Oberarme, als wollte er verhindern, dass sie erneut verschwand. Dann dieser Befehl: sie solle ihn ansehen. Diesmal gehorchte sie. Langsam hob Emmanline ihren silbernen Blick… und traf auf seine Augen. Atemberaubend… und zugleich zutiefst be?ngstigend.

  ?Antworte mir!“, brüllte er, und Emmanline zuckte zusammen, so heftig, dass ein Zittern durch ihren ganzen K?rper fuhr.

  ?W... wieso …?“ Ihre Stimme versagte beinahe. ?Wieso … bist du nur so wütend?“

  ?Das fragst du noch? Verflucht noch einmal!“ Seine gesamte Gestalt vibrierte vor Zorn, Muskeln angespannt, als hielte ihn nur ein dünner Faden davon ab, in purer Wut zu explodieren. ?Ist dir überhaupt einmal in den Sinn gekommen, was du da angerichtet hast?“

  Ab da explodierte etwas in ihr. Der Schock wich und in ihren Augen flammte endlich etwas anderes auf als Angst. ?Ja, verflucht noch, es ist mir in den Sinn gekommen, was ich getan habe!“ Emmanline zischte zurück, ihre Stimme scharf wie Klingen. ?Ich habe deinen Allerwertesten da rausgeholt… und du schreist mich andauernd nur an!“ Ihr K?rper bebte vor Wut. Bevor sie es registrierte, trat sie ihm mit voller Kraft gegen das Schienbein, weil sie nur ihre Beine bewegen konnte. Aber der Tritt... als h?tte sie versucht, einen Fels zu treffen. Er rührte sich kaum. Ein Hauch von Irritation, mehr nicht. Ihre Wut stieg nur weiter. ?Ich habe meinen Kopf für dich riskiert!“ Ihre Stimme zischte, dr?ngte sich gegen seine Pr?senz, wütend, laut, zornbebend. ?Und du bist hier, wütend und undankbar... verdammt, ich h?tte dich dort oben lassen sollen! Ich bereue es, verdammt noch mal, es getan zu haben!“ Ihre silbernen Augen gl?nzten vor verletzter Frustration, und jeder ihrer Atemzüge vibrierte vor ungeb?ndigter Emotion.

  Der Drache stand da, hielt sie fest, sein Blick brennend… als würde jede ihrer emotionalen Entladungen nur noch mehr in ihm entfachen. Gerade wollte Emmanline erneut gegen sein Schienbein treten, doch es gelang ihr nicht. Seine Arme schlangen sich wie stahlharte Ketten um sie und ehe sie einen Atemzug holen konnte, pressten seine Lippen hart und wild auf ihre. Schockiert riss Emmanline die Augen auf und sofort schnürte es ihr die Luft ab. Dieser Kuss war grob, roh... v?llig anders als all die anderen zuvor von ihm. Nichts Anziehendes lag darin, nichts Vertrautes oder Sanftes, nur pure Dominanz. Ihre F?uste trommelten verzweifelt gegen seine Brust, doch es schien ihn nicht zu kümmern. Er dr?ngte weiter, fordernder und eindringlicher. Emmanline musste von ihm loskommen. Sie wollte das nicht... nicht so. Er versuchte, ihre Lippen mit der Zunge zu ?ffnen, doch sie presste ihre Lippen schmerzhaft zusammen. Warum tat er ihr das an?

  ?Lucien. Verdammt nochmal, lass sie los!“ Eine Stimme durchbrach das Chaos, doch Emmanline konnte nicht genau erkennen, wer sie aussprach. Alles in ihr war auf den Drachen fixiert... auf seine Macht, seine Hitze, die alles zu verschlingen drohte. Mit aller Gewalt gelang es schlie?lich, sie auseinanderzuziehen. Emmanline keuchte schwer, rang nach Luft, w?hrend ihr Herz wie wild h?mmerte. Mit dem Handrücken wischte sie sich über die Lippen, fühlte sich sch?ndlich, betrogen und... einfach überrumpelt. Es war nicht fair. Leicht wurde Emmanline zurückgezogen und eine massige Gestalt stellte sich schützend vor sie. Durch ihren leicht verschwommenen Blick erkannte sie den Bruder des Drachen. Wieder einmal positionierte er sich zwischen ihr und der Gefahr, wie damals bei der K?nigin und seiner Mutter. ?Bist du noch ganz bei Sinnen?“, knurrte er drohend, seine Stimme vibrierte vor Zorn und unterstrich jede Faser seines tobenden Willens.

  ?Verpiss dich, Raiden. Du hast dich da nicht einzumischen. Sie geh?rt mir, also verschwinde von ihr!“ Der Drache knurrte zurück, Aggression und brennendes Feuer hingen in der Luft. Emmanline spürte das prickelnde Knistern auf ihrer Haut, als würde jede Faser ihres K?rpers die Spannung aufsaugen.

  ?Ganz gewiss nicht. Nicht bevor du dich unter Kontrolle gebracht hast. Schau dich doch einmal an... dein Drache hat v?llig die Kontrolle über dich übernommen. So wirst du sie nicht anrühren.“, sagte der Bruder des Drachen und schob sie weiter hinter sich, seine Pr?senz schützend wie eine undurchdringliche Mauer. Emmanline schlang leicht zitternd die Arme um sich geschlungen und starrte auf einen Punkt auf seinem Rücken. So hatte man sie noch nie behandelt... egal, welche Qualen sie bisher ertragen hatte.

  ?Verschwinde. Ich sage es nur noch einmal. Geh mir aus dem Weg. Das ist eine Sache zwischen ihr und mir. Keiner mischt sich da ein.“ Der Drache machte einen Schritt nach vorn, die Wut kaum zu b?ndigen, jeder Muskel angespannt, bereit zu explodieren.

  ?Bleib, wo du bist. Und ich sage es dir noch einmal… du wirst sie nicht anrühren.“ Der Bruder lie? keinen Millimeter nach, seine Pr?senz war eine undurchdringliche Barriere zwischen ihr und der Gefahr.

  Nun meldete sich eine herrische Frauenstimme. ?Verflucht noch einmal, was ist hier los? Ich verlange eine Erkl?rung!“ Die K?nigin trat mit m?chtiger Pr?senz vor und stellte sich neben die beiden M?nner. Ihre dunkelblauen Haare fielen wie ein schwerer Mantel um sie, w?hrend ihre violetten Augen vor Missgunst funkelten. ?Raiden hat Recht. Sieh dich im Spiegel an. Bring dich schleunigst wieder unter Kontrolle!“ Ihr Befehl war streng, durchdrungen von der unerschütterlichen Autorit?t einer Mutter, die über das Chaos ihrer Kinder wachte.

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