?Komm, Mama! Schnell, ich muss dir unbedingt etwas zeigen!“ Malatya zerrte ihre Mutter mit leuchtenden Augen über den Hofgarten, als k?nnte sie die ganze Welt kaum noch erwarten. Emmanline folgte ihnen, unweigerlich mitgerissen von der unb?ndigen Freude des Kindes. Die ganzen Geschwister waren bereits hier; auf Malatyas ausdrücklichen Wunsch hin hatten sie sich auf den Weg zum K?nigshof gemacht. Heute war der Tag. Der Tag, an dem das kleine M?dchen allen beweisen wollte, dass das Unm?gliche m?glich geworden war. Allein der Anblick von Malatyas strahlendem Gesicht reichte, um Emmanlines Herz leicht und warm werden zu lassen.
?Ja, mein Liebling, ich komme ja schon!“, lachte die Mutter und stolperte fast über ihr eigenes samtblaues Kleid. ?Aber zerr mich nicht entzwei, wir haben noch ein bisschen Zeit!“
?Nein, haben wir nicht!“ Pl?tzlich blieb Malatya stehen, stemmte die kleinen F?uste in die Hüften und deutete dramatisch auf den freien Platz vor dem Palast. ?Alle genau hier stehen bleiben! Keiner rührt sich mehr vom Fleck!“ Einige der ?lteren Geschwister kicherten leise, doch ihre Augen funkelten vor Neugier und Vorfreude, warum ihre kleine Schwester so in Aufruhr war.
Emmanline trat ein paar Schritte zurück, wollte sich im Hintergrund halten, doch der Drache war sofort neben ihr. Nah. Zu nah. Sie spürte ihn, bevor sie ihn sah, und ein kurzer Blickwechsel genügte. Sein L?cheln war ruhig, tief und wissend. Es sagte alles, ohne ein einziges Wort.
?Du wei?t, was gleich passiert“, murmelte er... mehr Feststellung als Frage.
?Ja“, flüsterte Emmanline und konnte das eigene L?cheln nicht verhindern. ?Sie platzt gleich vor Glück.“
Er lachte leise, warm, ein bisschen sp?ttisch. ?Natürlich tut sie das. Aber du… du verstehst immer noch nicht, was du ihr wirklich geschenkt hast, oder?“ Bevor Emmanline antworten konnte, drehte er sich halb zu ihr, hob die Hand und strich mit dem Handrücken ganz sacht über ihre Wange. Ein winziger Kontakt... und doch fuhr es ihr durch Mark und Bein. ?Warte nur ab“, sagte er mit diesem dunklen, überlegenen L?cheln, das sie sofort an die letzte Nacht erinnerte… und daran, was geschehen war, als sie in ihr Zimmer zurückgekehrt war. An seine Lippen, an seine Finger… an das Feuer, das er in ihr entfacht hatte und das immer noch glomm. Emmanline schluckte. Ihr K?rper erinnerte sich besser als ihr Verstand.
An jenem Abend, als Malatya sich zum ersten Mal verwandelt hatte, trat Emmanline sp?t in ihr Zimmer. Kaum hatte sie die Tür ge?ffnet, schlug ihr eine m?chtige Aura entgegen. Ein erdiger, intensiver Geruch durchdrang den Raum... unerwartet und überw?ltigend.
Der Drache stand am Fenster, den Rücken zu ihr gewandt. Emmanline blieb wie angewurzelt im Türrahmen stehen, unf?hig, sich zu rühren... unf?hig wegzuschauen.
Nach einem Moment drehte er sich langsam zu ihr um. Seine Augen suchten sofort die ihren, und dann kam er auf sie zu, ohne ein Wort zu verlieren. ?Ich habe auf dich gewartet.“ Seine Stimme war rau, tief und jeder Ton hallte in ihrem Inneren nach. Ehe sie reagieren konnte, riss er sie in seine Arme, drückte sie fest an seinen harten, hei?en K?rper. Warum konnte sie sich nicht wehren? ?Ich danke dir, Emmanline. Sehr sogar.“ Sein Ton war voller Intensit?t und dennoch vorsichtig, als wollte er ihr um keinen Preis wehtun. Er vergrub sein Gesicht in ihrem schneewei?en Haar, eine Hand fest auf ihrem unteren Rücken, die andere besitzergreifend in ihrem Nacken. Alles an ihm strahlte Besitz und St?rke aus… und sie schmiegte sich, trotz ihrer Verwirrung, an ihn.
Emmanline verstand, dass er erleichtert war... dass seine kleine Schwester sich endlich verwandeln konnte. Doch sie verstand nicht, warum er pl?tzlich so einfühlsam war, warum er sanft und dankbar wirkte. Ein warmer Hauch von N?he, der sie gleichzeitig überw?ltigte und verunsicherte.
Seufzend vergrub Emmanline ihr Gesicht an seiner Brust und konnte nicht verhindern, dass sie seinen berauschenden Duft einsog... erdige W?rme, dunkle Sicherheit, pure Macht. Jeder Atemzug machte sie schwindlig. ?Bitte… h?r auf damit“, flüsterte Emmanline. ?Es… es verwirrt mich.“ Die Worte kamen ged?mpft, fast erstickt, als müssten sie sich erst durch die Enge ihrer Kehle und die Hitze seines K?rpers k?mpfen. Und doch wusste sie... Er verstand sie. Besser, als jeder Mensch es je gekonnt h?tte. Wie nur ein Drache es konnte.
Der Drache lie? einen langen Moment verstreichen. Seine Finger glitten leicht über ihren Rücken... wie sanfte Flügelschl?ge. Seine goldenen Augen fixierten sie mit einer Mischung aus Besitztum und Fürsorge. ?Warte es nur ab“, flüsterte er, und das L?cheln, das über seine Lippen huschte, war sowohl warnend als auch verhei?ungsvoll.
Nur diese Worte hatte er an jenem Abend gesagt. Genau die gleichen Worte. Genau dieses L?cheln. Worauf sollte sie nur warten?
Dann kam der Moment. Malatya verwandelte sich. Leuchtende, regenbogenfarbene Funken tanzten um ihren kleinen K?rper. Die Luft war erfüllt von erschrockenen Lauten, hastigem Einatmen, ungl?ubig aufgerissenen Augen. Emmanline lie? den Blick über die Anwesenden gleiten und sah Staunen, Freude und Entsetzen zugleich in ihren Gesichtern.
?Oh, ihr Heiligen… Malatya, du kannst dich wirklich verwandeln!“, keuchte eine Stimme, vor Staunen fast atemlos. Es war eine ihrer Schwestern... eine Sch?nheit, rein und warmherzig zugleich. Langes, gelocktes meerblaues Haar floss um ihr feminines Gesicht, ihre Augen strahlten in leuchtendem Azurblau, durchzogen von dunkelblauen und grünlichen Sprenkeln. Trotz der K?lte, die dieses Blau auszustrahlen schien, lag pure W?rme darin, Zuneigung, überw?ltigende Liebe. Ihr L?cheln war ein einziges Willkommen.
?Wie kann das sein?“ Malatyas Mutter trat auf ihre Tochter zu... die nun in stolzer Drachengestalt vor ihnen stand. Ihre Stimme bebte vor ungl?ubiger Freude. Z?rtlich schmiegte sie sich an die kleine Drachin, eine sanfte, doch unendlich tiefe Umarmung. ?Oh, meine kleine Sü?e…“ Ihre Augen geschlossen, strich sie vorsichtig über Malatyas schuppigen Kopf. Auch die kleine Drachin schloss die Augen, als sauge sie die Liebe ihrer Mutter f?rmlich auf. Die Geschwister stürzten hinzu, jubelten, lachten, warfen sich der Reihe nach an den schimmernden dunkelblauen Drachenhals... jede Berührung eine Feier von Kraft, Mut und Wunder.
?Siehst du jetzt, welches Geschenk du uns allen... du ihr gemacht hast?“ Der Mann neben ihr sprach ruhig, stolz, fast ehrfürchtig. Sein Blick ruhte auf seiner Familie.
Emmanline sah kurz zu ihm auf, spürte die volle Wucht dessen, was gerade geschehen war, und musste es sich eingestehen... dieses kleine M?dchen hatte etwas Gro?es vollbracht... einen wahren Segen. ?Ich… ich sehe es“, flüsterte sie, ihre Finger nestelten nerv?s am Saum ihres hellblauen Kleides, das nur bis zu den Knien reichte. Das Kleid lag wie angegossen an ihrem K?rper... ein Geschenk von ihm, wie fast ihre gesamte neue Kleidung. Manchmal fragte sie sich noch immer, wie sie all diese Stoffe nur tragen sollte.
Pl?tzlich trafen sie die Blicke aller Anwesenden. Ungl?ubige Verwunderung, offene Neugier, etwas, das sie nicht einordnen konnte. Emmanline trat einen kleinen Schritt zurück... nur reiner Instinkt, keine Flucht.
Sofort legte er ihr beruhigend die Hand auf den Rücken. ?Du brauchst keine Angst zu haben“, sagte er leise, nur für sie.
Angst hatte sie nicht. Aber Emmanline war nerv?s. Diese vielen Augen... einige warm, andere schwer zu deuten... ruhten auf ihr wie ein unsichtbares Gewicht. Unbewusst rückte sie n?her an ihn heran. Fast automatisch schlang er einen Arm um ihre Schultern und zog sie sacht an sich. Diesmal lie? Emmanline es zu. Er war der Einzige, der sich noch normal anfühlte, w?hrend ringsum alle wie verzaubert, wie überw?ltigt standen.
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?Du brauchst wirklich keine Angst zu haben, Emmanline.“ Konnte sie ihm glauben?
Zweifel stiegen auf wie dunkle Wellen, doch tief in ihrem Inneren flüsterte eine leise, hartn?ckige Stimme, dass er die Wahrheit sprach. Einige der Anwesenden traten vor, sprachen ihren Dank aus... leise, ehrfürchtig, fast scheu. Andere blieben zurück, und das war ihr nur recht. Besonders bei jenem Drachen, der sie bei ihrer Ankunft brutal zu Boden gerissen und erdrückt hatte. Der Mann, in dessen Arm sie jetzt stand, hatte ihr gestern Abend von jedem seiner Geschwister erz?hlt... Rang, Aufgabe, Wesen. Der Bruder war ein J?ger. Der eiskalte, m?rderische Blick, der einem das Blut in den Adern gefrieren lassen konnte, geh?rte zu seinem Amt. Kaltblütig. Unerbittlich. Gnadenlos. So waren J?ger nun einmal geboren und ausgebildet... und selbst der K?nig machte da keine Ausnahme. Auch ihre Mutter hielt sich zurück, doch ihr Blick war sanft, warm, ahnungslos. Er ruhte auf Emmanline wie eine stille Segnung. Ganz widersprüchlich zu ihrer letzten Auseinandersetzung mit K?lte und Abscheu.
Am liebsten h?tte Emmanline sich verkrochen. Doch dann knurrte der Mann neben ihr... tief, grollend, ein Ton, der aus der Tiefe seiner Brust kam und sich wie Donner in der Luft ausbreitete. Ein einziges, unmissverst?ndliches Warnsignal an seine Familie: Kommt ihr zu nah, bekommt ihr es mit mir zu tun.
Emmanline spürte, wie ihr Herz schneller schlug. Nicht aus Angst. Aus etwas anderem. Etwas, das sie nicht benennen wollte. Langsam, ganz langsam sickerte die Erkenntnis ein... bei ihm war sie sicher... und sie hasste sich dafür, dass sie es bemerkte. Denn sie hatte sich geschworen... vor langer Zeit schon... niemals einem Drachen zu vertrauen. Niemals einem von ihnen ihre N?he zu schenken. Sie waren Bestien. Kaltblütig. Gefühllos. So hatte sie es erlebt. So hatte man es ihr eingebl?ut. So hatte sie es am eigenen Leib erfahren.
Und doch…
Je l?nger Emmanline hier stand, je mehr sie zusah, desto lauter wurden die Zweifel. War es m?glich, dass nicht alle so waren? Dass es Ausnahmen gab?
Der Drache sagte kein Wort. Er musste nicht. Seine Hand an ihrem Rücken, die W?rme seines K?rpers, das tiefe, ruhige Knurren, das nur für sie bestimmt gewesen war… all das sprach lauter als jede Erkl?rung. Er zeigte ihr etwas Neues. Etwas, das sie noch nie hatte sehen dürfen. Eine andere Seite seines Volkes. Seiner selbst... und tief in ihr, ganz leise noch, begann etwas zu br?ckeln.
Irgendwann nahm er sie einfach bei der Hand und ging. Kein Wort des Abschieds, kein Blick zurück. Die anderen blieben stehen, als h?tte eine unsichtbare Linie sie gestoppt. Emmanline hob fragend die Augen... er fing ihren Blick auf und die Intensit?t darin lie? sie für einen Herzschlag lang die Luft anhalten. ?Ich habe gespürt, wie unwohl du dich gefühlt hast“, sagte er leise. Nur für sie. ?Komm.“ Er führte sie durch die G?nge, vorbei an Wachen, die den Kopf senkten, bis sie vor ihrer Tür standen. Er trat ein, schloss ab und drehte sich zu ihr um. Das Herz schlug ihr bis zum Hals. Er sah sie an, als g?be es sonst nichts auf der Welt. Goldene Augen, brennend, durchdringend, ohne jede Maske. Dann trat er langsam n?her, blieb dicht vor ihr stehen, so nah, dass Emmanline die Hitze seines K?rpers spürte. Vorsichtig, fast ehrfürchtig, legte er eine Hand an ihre Wange. Die Berührung war federleicht und doch fuhr sie ihr bis in die Knochen. ?Du wei?t, dass du vor mir keine Angst mehr haben musst.“ Eine Feststellung, keine Frage. ?Oder, Emmanline?“
Emmanline presste ihre Lippen zusammen. Ihre Gedanken rasten. Was sollte sie sagen? Dass sie noch vor Tagen überzeugt gewesen war, jeder Drache würde sie irgendwann zerrei?en? Dass sie sich selbst nicht mehr traute, weil ihr K?rper l?ngst eine andere Sprache sprach als ihr Verstand? Sie schüttelte den Kopf. Kaum merklich. Es war die Wahrheit... und es erschreckte sie mehr als jede Lüge.
Ein kaum h?rbares, warmes Lachen vibrierte in seiner Brust. Kein Spott. Eher Erleichterung. ?Gut“, murmelte er und sein Daumen strich einmal, ganz sacht, über ihre Unterlippe. Blitzartig drehte sie das Gesicht weg. Die R?te schoss ihr in die Wangen... sie spürte sie brennen. Wie konnte das sein? Wie konnte sie sich bei ihm sicher fühlen und gleichzeitig noch immer halb erwarten, dass er sich jeden Moment in das Monster verwandelte, vor dem sie ihr ganzes Leben geflohen war?
Er lie? die Hand sinken, trat aber keinen Schritt zurück. Stattdessen stand er einfach da, wartete, gab ihr Raum und nahm ihn sich gleichzeitig... mit seiner blo?en Anwesenheit.
Ein leises, amüsiertes Ger?usch entwich ihm. Diesmal konnte Emmanline das Verlangen nicht mehr unterdrücken. Sie warf ihm einen finsteren Blick zu, halb wütend, halb hilflos. Er l?chelte nur. Nicht überlegen, sondern als h?tte er gerade das gr??te Geschenk der Welt erhalten und das war der Moment, in dem ihre Mauern zum ersten Mal wirklich ins Wanken gerieten.
Mit einem Mal entfernte er sich kurz und ging zur Kommode. Ihr Blick folgte ihm... und da fiel ihr etwas auf. Auf der Platte stand eine kleine Schachtel. Hatte sie schon l?nger dort gestanden? Emmanline konnte sich nicht erinnern, sie je gesehen zu haben, und doch h?tte sie sie eigentlich bemerken müssen.
Er nahm die Schachtel in die Hand. Sie war aus schwarzem, glatt poliertem Holz gefertigt und gl?nzte sanft im Tageslicht. Emmanline spürte, wie seine Handfl?che das Holz umschloss, und eine Welle der Neugier durchflutete sie. Was mochte darin sein? Doch sie fragte nicht.
?Ich habe etwas für dich, Emmanline. Ich würde mich sehr freuen, wenn du es annimmst“, sagte er im ehrfürchtigen Ton. Er reichte ihr die Schachtel. In seinem Blick lag eine Intensit?t, die ihr pl?tzlich unheimlich wichtig erschien... als hinge etwas Entscheidendes daran, dass sie das Geschenk entgegennahm. Sollte sie es annehmen? Einen Moment lang hielt sie seinem Blick stand, dann wanderte ihre Aufmerksamkeit wieder zu der kleinen schwarzen Schachtel. Hin- und hergerissen spürte sie, dass Emmanline sich entscheiden musste. Ein leises Gefühl tief in ihr flüsterte, dass sie es tun sollte. Also nahm sie sie an.
Emmanline bemerkte, wie sich die Anspannung in ihm l?ste. Als h?tte er die Luft angehalten, atmete er nun schwer aus. Langsam, fast and?chtig ?ffnete Emmanline die Schachtel. Ein kurzes Z?gern… dann wagte sie einen Blick hinein. Ihr Atem stockte. Auf weinrotem Samt lag etwas, das sie sprachlos machte. Etwas derart Sch?nes hatte sie noch nie gesehen. ?Aber das…“ Sie r?usperte sich... ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. ?Das kann ich nicht annehmen. Es... es sieht unendlich wertvoll aus.“
?Und doch m?chte ich, dass du es bekommst“, sagte er ruhig, den Blick unverrückbar auf sie gerichtet.
Warum? Emmanline verstand nicht, warum es ihm so wichtig war, und dennoch spürte sie tief in sich... das hier wurde ihr nicht einfach als Geschenk gereicht. Es war mehr... eine Botschaft, eine Verbindung, ein Stück von ihm selbst.
Erneut schaute Emmanline in die ge?ffnete Schatulle. Der Gegenstand darin raubte ihr erneut den Atem. Er gl?nzte rein und vollkommen, wie nichts, was sie je erblickt hatte. Ihr Wissen war begrenzt, doch sie erkannte sofort die au?ergew?hnliche Sch?nheit und Kostbarkeit dieses Artefakts. Auf dem weinroten Samt lag ein kleiner Dolch. Die Klinge war in zwei sanfte Wellen geschwungen und schimmerte wie das reinste Kristall. Der Griff war ein Meisterwerk. An den Seiten breiteten sich zwei Drachenflügel aus, w?hrend sich der Schaft wie eine geschmeidige Schlange empor schl?ngelte und in einem Drachenkopf mündete, dessen Maul weit aufgerissene... drohte jeden Moment Feuer zu speien. Schwarz und Rot tanzten in vollkommener Harmonie über die Oberfl?che.
?Die Klinge ist aus dem h?rtesten und klarsten Kristall gefertigt. Aus Dragonit“, erkl?rte er leise.
?Nein… das… das kann ich nicht.“ Emmanline klappte die Schatulle abrupt zu und wollte sie ihm zurückgeben. ?Ich... kann das unm?glich annehmen.“
Behutsam legte er seine Hand an ihre Wange. Sie zuckte zusammen... die Berührung kam so unerwartet, so nah. Für einen winzigen Moment fürchtete sie, ihn verletzt zu haben, doch sein Blick sagte etwas anderes. Als h?tte er genau mit ihrer Ablehnung gerechnet. Er wirkte nicht ver?rgert, nur… geduldig und genau das machte sie seltsam unruhig.
Kraftlos sank Emmanline nach vorn, bis ihre Stirn seine Brust berührte. Er überragte sie bei Weitem, doch genau das fühlte sich richtig an, beschützend, fast schwindelerregend. Die Schatulle mit dem Dolch geriet zwischen ihre K?rper, hart und kühl, ein stummer Zeuge ihrer pl?tzlichen N?he. ?Warum tust du das alles?“ Die Worte brachen aus ihr heraus, bevor sie sie zurückhalten konnte. ?Warum ver?nderst du dich so?“ Sie musste es wissen, sonst würde sie keine Ruhe mehr finden.
Ohne Z?gern schlangen sich seine Arme um sie und zogen sie fest an sich, als fürchte er, sie k?nne ihm jeden Moment entgleiten. Die Hitze seines K?rpers sickerte durch den Stoff, brannte sich in ihre Haut, beruhigend und zugleich elektrisierend. ?Weil du mir wichtig bist, Emmanline“, flüsterte er in ihr schneewei?es Haar, sein Atem warm an ihrer Kopfhaut. ?Du bist der Grund, weshalb ich… mich ver?ndere. Den eigentlichen Grund… kann ich dir nicht sagen. Noch nicht.“
?Was hast du gesagt?“ Ihre Stimme war kaum mehr als ein Hauch. Die Letzten seiner Worte waren in einem so leisen, brüchigen Ton gefallen, dass sie sie kaum verstanden hatte. Etwas an ihm war pl?tzlich fremd, fast unnahbar, und dennoch tiefer vertraut als alles, was sie je gekannt hatte. Emmanline spürte sein Herz schlagen, schnell, viel zu schnell, direkt unter ihrem Ohr. Etwas in ihm schien zu k?mpfen, sich zu winden, kurz davor, sich zu offenbaren oder sich für immer zu verschlie?en.

