Gerade fragte sich Emmanline, ob sie sich verh?rt hatte. Das konnte nicht sein. Nein… nur nicht das. Alles andere… aber das? Niemals.
?Nein… das… das kann nicht sein.“ Sie fühlte sich wie gel?hmt, unf?hig, sich zu bewegen. Alles, was sie tun konnte, war ihn anzustarren, zu versuchen herauszufinden, ob Lucien nur scherzte oder sie veralbern wollte. Doch nichts an seiner Haltung, seinem Gesichtsausdruck oder seinen Augen deutete darauf hin, dass er es nicht ernst meinte… und tief in ihrem Inneren spürte sie, dass er es vollkommen ernst meinte.
?Dennoch ist es so“, sagte Lucien mit klaren, ruhigen Worten. ?Du, Emmanline, bist meine vorherbestimmte Seelengef?hrtin. Du bist die Gef?hrtin, die das Schicksal mir geschenkt hat. Niemand anderes.“ Seine Augen… die sich von tiefem Rot zu purem Gold wandelten… leuchteten vor unz?hligen Gefühlen.
?Nein. Nein. Nein!“ Emmanline begann zu strampeln, sich zu wehren, jedes Wort von ihm abzustreiten. Das konnte sie nicht akzeptieren. Sie wollte es nicht h?ren. Instinktiv presste sie ihre H?nde auf ihre spitzen, langen Ohren, schloss ihre Augen so fest zusammen, wie sie konnte… versuchte, sich von allem abzuschotten, was Lucien ihr sagen wollte. Bilder von dem Augenblick ihres Erwachens schossen ihr durch den Kopf... als sie allein im Bett aufgewacht war, die Angst, die Verwirrung, das pl?tzliche Gefühl, benutzt worden zu sein. Alles kam zurück, noch intensiver als zuvor.
Noch nie hatte Emmanline sich so gefühlt… zufrieden, geborgen und entspannt. Alles war ihr noch so klar pr?sent... wie weich es unter ihr gewesen war, wie die W?rme sie umhüllte und dieser wunderbare Duft, der sie stets einhüllte. Wie sehr sie es genossen hatte, sich darin zu w?lzen… in diesem Gefühl von Sicherheit. Dieser erdige Duft schenkte ihr Geborgenheit und Schutz. Je mehr sie sich davon umhüllen lie?, desto st?rker fühlte sie sich behütet, als k?nnte nichts und niemand sie erreichen. Emmanline wusste, dass sie es sich eigentlich nicht erlauben durfte. Doch was z?hlte schon dieser eine Augenblick? Solche Momente hatten sich in letzter Zeit geh?uft, aber diesmal schwor sie sich, es würde der Letzte sein. Keine Hoffnungen, keine Empfindungen sollten mehr aufkeimen. Nur durch ihre Abwehr konnte sie sich schützen… niemand sollte je an sie herankommen. Und doch... nur einmal wollte sie es wissen… wie es sich anfühlt... umsorgt und behütet zu werden. Ein einziges Mal durfte sie das spüren. Einmal, das war alles. Es war wie ein Nachhall aus ihrer Kindheit… ihre Mutter hatte Emmanline so geliebt, mit W?rme und Zuneigung. Zwar konnte sie sich kaum daran erinnern, doch die Pr?senz ihrer Mutter war noch immer in ihr… ihre Stimme verhallte niemals vollst?ndig. Genau das war es, das sie ins Hier und Jetzt brachte.
Tr?ge und noch vom Schlaf benommen ?ffnete Emmanline ihre silbernen Augen. Ein leichter Schleier der Müdigkeit lag auf ihnen. Sie g?hnte einmal, dann noch einmal. Doch als sie die Augen erneut schlie?en wollte… erstarrte sie. Pl?tzlich riss sie sie weit auf, ihr Herz setzte aus... und sie fuhr erschrocken in eine sitzende Position hoch. ?Heilige G?tter …“ zitterte Emmanline keuchend... am ganzen K?rper und strich gedankenverloren ein paar wei?e Str?hnen aus ihrem Gesicht. ?Ein… eingeschlafen? Ich bin… eingeschlafen? Das kann nicht sein. Ich schlafe nie.“ Emmanline redete mit sich selbst, schüttelte ihren Kopf, als k?nnte sie den Irrtum einfach abschütteln. Gerade als sie glaubte, sich zu sammeln... traf sie der n?chste Schlag. Einzelne Bilder flackerten vor ihrem inneren Auge auf, setzten sich rasend schnell zu Szenen zusammen… bis daraus ein einziger Film entstand, der sich vor ihr abspielte.
Zuerst wurde Emmanline bleich, als ihr bewusst wurde, wie eng ihr K?rper mit Luciens nacktem, harten K?rper… miteinander verschlungen gewesen war. Wie sie sich geküsst hatten… wild, intensiv… nackt verbunden. Sie hatte es wirklich getan. Dabei hatte sie sich geschworen... niemals mit ihm intim zu werden, niemals die Zeit im Bett mit ihm zu verbringen. Doch jetzt war es passiert. Ihre K?rper hatten sich verschmolzen… er war tief in ihr, und sie… sie konnte die Realit?t dessen nicht leugnen. Emmanlines Kopf wechselte von kalkwei? zu rot glühend. Ihre Wangen brannten vor Scham, und am liebsten h?tte sie sich irgendwo verkrochen… weit weg, wo sie niemand finden konnte. Für den Rest ihres unendlichen Daseins. Für immer.
Was sollte sie jetzt tun? Wie k?nnte sie ihm je wieder in die Augen sehen… ohne von den Bildern in ihrem Kopf überw?ltigt zu werden?
In Gedanken und Gefühlen verstrickt riskierte Emmanline einen Blick zur Seite. Lucien müsste neben ihr liegen. Konnte sie es ertragen, ihn anzusehen? Doch sie konnte einfach nicht anders… etwas dr?ngte sie, sich zu ihm zu wenden. Würde er noch schlafen? Oder war er bereits wach?
Was Emmanline sah, sollte sie eigentlich nicht schockieren… und doch tat es genau das. Lucien war nicht mehr neben ihr. Anscheinend hatte er sie verlassen, und ein scharfer Schmerz schnitt durch ihre Brust. Ihre H?nde ballten sich zu schmerzhaften F?usten auf ihrem Scho?. Sie konnte es nicht ertragen und wandte ihren Blick blitzartig ab. Emmanline h?tte es wissen müssen. Jetzt, da Lucien bekommen hatte, was er von Anfang an wollte. Jedes seiner Worte hallte in ihrem Kopf wider... wie sehr er gedr?ngt hatte, sie zu ihm zu bringen. ‘Nur einmal‘, hatte er gesagt. Nur einmal. Wie oft hatte Lucien ihr gegenüber gezeigt, dass er sie genau hier haben wollte… nur um sie danach fallen zu lassen? Es h?tte ihr mehr als bewusst sein müssen… und doch tat es so weh. Lucien hatte nie ein Hehl daraus gemacht, was er wollte, und niemals hatte er ihr gezeigt, dass sie etwas Besonderes für ihn war. Obwohl er sich in letzter Zeit mehr um sie gekümmert hatte, aber... alles reine Berechnung. Emmanline war nur irgendeine Frau, eine Weitere seiner Troph?en. Dieser Mann holte sich Frauen ins Bett, nur um sie danach wieder fallen zu lassen. Nicht nur von ihm wusste sie das… auch Aiden hatte sie davor gewarnt, wie Lucien war. Ein reiner Verführer.
Als Emmanline ihren K?rper bewegte, zog sich ein leichter Schmerz von ihrem Unterleib aufw?rts. Unwillkürlich dachte sie an ihre Vereinigung… daran, wie Lucien in sie gedrungen war. Am Anfang hatte es geschmerzt, und sie h?tte am liebsten die Flucht ergriffen. Doch nach einer Weile, als er sich in ihr bewegte, war dieses eigenartige, wohltuende Gefühl entstanden... eines, das ihren ganzen K?rper hatte Erzittern und Erbeben lassen. Hitze hatte Emmanline durchflutet, und ab diesem Augenblick war es ihr unm?glich gewesen, sich dagegen zu wehren. Auch wenn sie es sich nicht eingestehen wollte… sie hatte es genossen. Genau deshalb hatte sie sich ihm hingegeben. Den Empfindungen, der Lust… vollkommen ergeben.
Emmanline blieb nicht l?nger im Bett liegen, sondern stand auf. Zun?chst waren ihre Beine zittrig, doch sie fand rasch ihr Gleichgewicht wieder. Was sollte sie jetzt tun? Sie wollte von hier fort, all dem entkommen. Ihr Blick fiel auf den Boden, wo ihre Kleidung lag… zum gr??ten Teil zerrissen. Wieder h?tte sie Scham empfinden müssen, doch diesmal… war da nichts. Rein gar nichts. Emmanline h?tte sich niemals auf diese Empfindungen einlassen dürfen. Sie hatte es gewusst. Gewusst, dass es so enden würde. Nun erhielt sie die Quittung dafür, dass sie sich auch nur ein einziges Mal erlaubt hatte… diese wohlige W?rme und das Gefühl von Geborgenheit zu spüren. Jetzt stand Emmanline wieder allein da, mit all dem Chaos in ihrem Inneren, und musste damit leben. Sie war so unglaublich dumm gewesen, zu glauben… es k?nnte jemanden in ihrem Leben geben, der anders war als alle anderen. Jemand, für den sie wichtig w?re. Jemand, der sie mochte und beschützte… einfach, weil sie sie selbst war.
Emmanline fühlte sich unendlich schmutzig und musste sich unbedingt reinwaschen. Ob ihr das je gelingen würde, war fraglich, doch sie wollte es zumindest versuchen. Ohne weiter nachzudenken, begab sie sich ins Badezimmer und stellte die Dusche auf hei?. Ihrer Kleidung musste sie sich nicht entledigen… sie war bereits nackt. Sie musste sich reinigen... von ihrer Vereinigung, von ihren Gedanken.
Schon lange spürte sie das kochende Wasser nicht mehr auf ihrer Haut, das über ihren Kopf und ihren K?rper hinab floss. Als w?re jedes Empfinden aus ihr verschwunden. Mit einem Schlag sackte Emmanline in ein Tief… so abrupt, dass sie sich nicht mehr auf den Beinen halten konnte. Umso dankbarer war sie für die kleine Bank hinter sich, auf die sie sich setzen konnte.
Ihr ganzes Leben war aus den Fugen geraten, und… sie wusste nicht einmal, wie schnell das hatte geschehen k?nnen. Dabei hatte sie immer auf alles geachtet, hatte versucht, nicht in Schwierigkeiten zu geraten. Doch sie stand ohnehin schon am Rand einer Klippe, über einem tiefen Abgrund. Emmanline war so unglaublich naiv gewesen… und dass sie sich nun auch noch immer weiter hineinsteigerte, machte alles nur schlimmer.
Irgendwie hatte das, was zwischen Lucien und ihr geschehen war… ihr etwas bedeutet. Emmanline war keineswegs anh?nglich oder begierig gewesen, doch für sie war es ein besonderer Augenblick. So dumm es auch klingen mochte… sie steckte in Schwierigkeiten... und vielleicht h?tte sie nie auf die Worte ihrer Mutter h?ren dürfen, die noch so viel Bedeutung in ihr hatten. Genau deshalb sa? sie jetzt hier fest. Gefangen im Chaos ihrer Gefühle.
?Du lügst.“ Emmanline kehrte in die Gegenwart zurück und stritt es weiterhin ab. ?Ich… ich kann es… nicht sein. Ich geh?re nicht… zu deinem Volk. Du irrst dich.“
Lucien zeigte keine Wut, kein lautes Aufschreien… er war die Ruhe selbst. Dennoch lie? sich erkennen, dass ihr Widerstand ihm missfiel. ?Glaubst du, es interessiert mich auch nur ein einziges Mal, ob du aus meinem Volk bist oder nicht?“ Seine Stimme war sanft, ernst und unerschütterlich. ?Für mich spielt das absolut keine Rolle, Emmanline. Du bist meine Seelengef?hrtin. Nicht jedem ist dieses Glück verg?nnt… sein Gegenstück zu finden. Und sollte es einem geschenkt werden, w?re man dumm, dieses Geschenk nicht anzunehmen. Ob wir es glauben oder nicht… niemand k?nnte sich dagegen wehren. Es ist kostbar.“ Langsam hob er die rechte Hand, um sie zu berühren, hielt jedoch mitten in der Bewegung inne… unsicher, ob sie es zulassen wollte.
?Warum… ich?“, fragte Emmanline skeptisch, fast ungl?ubig.
?Es geht hier nicht um das Warum, Emmanline.“ Lucien sah sie mit goldenen Augen ernst an. ?Du wolltest doch einmal wissen, warum es so leicht war, dass wir Kontakt zueinander aufbauen konnten, nicht wahr?“ Sie nickte vorsichtig, weil sie wusste, dass er darauf wartete. ?Alles hatte schon damals darauf hingedeutet. Der leichte mentale Kontakt, die starke Anziehung zwischen uns, mein Drache in mir… der unruhig wird, sobald er dich sieht. Mein unb?ndiger Drang, dich vor allem und jedem zu beschützen. Und jedes Mal, wenn ich dich mit einem anderen Mann sehe… spüre ich pure, ungeheure Eifersucht. Ich würde am liebsten jeden zerrei?en, der dich nur schief anschaut oder berührt. Ich kann nicht anders, weil du es bist. Nur du… weil du meine Seelengef?hrtin bist.“
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Fassungslos starrte Emmanline ihn an, sprachlos und innerlich zerrissen. Warum schien sie aus seinen Worten nur reine Ehrlichkeit herauszulesen? Warum konnte sie nicht das Geringste an Lüge in diesem goldenen Blick erkennen? Drachen waren Künstler darin zu t?uschen. Und doch… war es nicht genau das, was sie sich insgeheim erhofft und gewünscht hatte? Noch heute Morgen. Noch in der vergangenen Nacht. Nur ein einziges Mal hatte sie sich gewünscht, sich geborgen und behütet zu fühlen. Und genau so hatte es sich angefühlt… jedes Mal, wenn sie bei diesem Drachen gewesen war.
Beschützt. Sicher. Geliebt.
Dieser Mann gab ihr all das – und dennoch wehrte Emmanline sich dagegen. Wie leicht w?re es... ihn wegzusto?en. Seine Worte als Lügen abzutun, den Blick abzuwenden und sich innerlich zu verschlie?en. Vielleicht nicht mit k?rperlicher Kraft, aber mit ihrem Verstand. Wenn sie es k?nnte, würde sie es sofort tun. Doch so einfach war es nicht. Ob sie es wollte oder nicht – sie konnte es einfach nicht.
?Du spürst es, Emmanline“, sagte Lucien ruhig. ?Du fühlst dieselbe Anziehung... wie ich. Uns verbindet etwas, das nicht schw?cher wird. Im Gegenteil... es w?chst. Sei ehrlich zu mir... und zu dir selbst.“
Ihr Kopf fühlte sich pl?tzlich leer an, als h?tte jemand all ihre Gedanken fortgewischt. Mit einem Mal schwand die Kraft aus ihrem K?rper. Unsicherheit griff nach ihr wie kalte Finger. Lucien hatte recht. Emmanline spürte es. Diese Anziehung. Dieses Ziehen zu ihm hin. Auch sie wollte st?ndig in seiner N?he sein... und je l?nger sie von ihm getrennt war… desto unertr?glicher wurde es. ?Das… das ist alles… zu viel“, brachte sie schlie?lich fast stimmlos hervor, als die Stille kaum noch auszuhalten war. ?Ich wei? nicht… was ich denken soll. Geschweige denn, was ich tun soll.“ Ihre H?nde legten sich vor ihr Gesicht, als k?nnte sie sich so vor allem verschlie?en… doch es half nicht. ?Du sprichst… von N?he, von Wichtigkeit, von dieser Verbindung. Woher soll ich wissen… dass du es ernst meinst? Dass das nicht alles nur… Lügen sind?“
Sanft ergriff Lucien ihre H?nde und zog sie langsam von ihrem Gesicht fort. Ihr silberner Blick verfing sich in seinen warmen, goldenen Augen... Augen, in denen sie sich verlieren konnte… obwohl sie es nicht durfte. Seine Stirn lehnte sich leicht gegen ihre, sein Blick durchdringend und zugleich voller Ruhe. ?Alles… einfach alles, was ich sage… meine ich vollkommen ernst“, sagte Lucien leise und zartfühlend. ?In meinem Leben ist mir keine Frau wie dir begegnet. Ich wei?, es klingt ungew?hnlich aus meinem Mund, aber du hast mich ver?ndert. Alles. Du hast mir gezeigt, was ich l?ngst vergessen hatte… wie wertvoll Leben sein kann.“ Seine Stimme blieb ruhig, doch jedes Wort trug Gewicht. ?Ich tue Dinge… die ich zuvor noch nie getan habe. Sage Dinge, die ich nie gesagt h?tte. Jedes einzelne Wort an dich ist wahr. Warum sollte ich dich belügen? Welchen Zweck h?tte das für mich?“
?Mein Geheimnis.“ Emmanline antwortete, ohne zu z?gern. Die Wahrheit lag ihr l?ngst auf der Zunge. Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. Doch genau darin lag alles.
?In Ordnung, das ist ein guter Einwand“, fuhr Lucien fort. ?Aber ich will dir gleich im Vorhinein sagen… ich habe es nicht n?tig, durch Lügen meine Ziele zu erreichen. Zumal ich ohnehin nicht mehr daran gedacht habe… jedenfalls in letzter Zeit nicht. Es stimmt, ich würde deine Geheimnisse sehr gern kennen, weil ich neugierig bin. Aber nur, weil ich alles über dich wissen will. Dich als Ganzes… und damit ich dich richtig beschützen kann. Nichts liegt mir mehr am Herzen als deine Sicherheit und dein Glück. Das schw?re ich bei meinem Leben und meiner Ehre als Drache.“
Emmanline war sprachlos. Irgendwann wusste sie keine Argumente mehr, die sie ihm h?tte entgegnen k?nnen. ?Woher willst du wissen… dass du meiner nicht eines Tages überdrüssig wirst? Woher soll ich… das wissen?“ Ihre Stimme bebte. ?Ich k?nnte dir niemals das geben… was du vielleicht irgendwann willst oder brauchst. Und eines Tages würdest du es bereuen… und gehen. Wie alle anderen.“
Ein kleines, ruhiges L?cheln legte sich auf Luciens Gesichtszüge. ?Das wird niemals geschehen. Du wei?t, gepr?gte Partner k?nnen einander weder schaden noch verlassen. Seelengef?hrten sind bis zum Lebensende miteinander verbunden. Nur der Tod kann sie trennen.“ Seine Stimme war sanft, aber fest. ?Ich k?nnte dich niemals verlassen oder betrügen. Ein Teil von mir l?sst das nicht zu... und vor allem nicht mein Drache. Es liegt in unserer Natur… gebundene Paare k?nnen einander nicht untreu sein. Aber selbst wenn es anders w?re… ich will es nicht. Ich will dir geh?ren, so wie ich will, dass du mir geh?rst.“ Lucien beugte sich n?her zu ihr und ihr Herz schlug stets schneller, je mehr Worte er an sie richtete. Es wollte sich nicht in ihrer Brust beruhigen. ?Verstehst du nicht, Emmanline? Ich will und brauche dich an meiner Seite, weil du mir ungeheuer wichtig geworden bist.“ Bei jedem seiner weiteren Worte hauchte er Küsse auf ihr Gesicht. überall dort, wo er sie berührte, breitete sich W?rme aus. ?Ich werde es dir jeden Tag beweisen. Jeden einzelnen Tag, bis ich meinen letzten Atemzug getan habe. Es ist mir egal, was andere darüber denken. Solange du mir glaubst und mir vertraust. Ich würde dich niemals verletzen. Niemals verlassen.“ Lucien h?rte nicht auf, sie zu berühren, und Emmanline lie? es zu. Alles sog sie in sich auf wie ein Schwamm… seine Worte, seine N?he, seine Z?rtlichkeit.
Doch ohne Beweise konnte sie ihm nicht wirklich glauben. Dafür müsste Emmanline ihm eine Chance geben. Nur noch eine einzige. ?Wie… willst du mir das beweisen?“, fragte sie leise und leckte sich nerv?s über ihre pl?tzlich trockenen Lippen.
?Oh, Emmanline…“ Lucien küsste sie auf die Lippen… mit all der Leidenschaft, die in ihm brannte... und Emmanline spürte, dass es nicht wenig war. Dieses Feuer in ihm brachte auch sie zum Brennen. ?Ich werde dir jeden Tag sagen… wie sch?n du bist. Wie wichtig du mir bist.“ Seine H?nde berührten sie überall. Atemlos konnte Emmanline nicht anders, als sich ihm hinzugeben. Ihre Gegenwehr war gleich null, weil sie gegen ihn keine Kraft mehr aufbringen konnte. Eigentlich wollte sie es auch nicht mehr. Denn alles, was dieser Mann ihr gab… wollte sie haben. Einfach alles.
Eines Tages würde sie es vielleicht bereuen… aber warum sollte Emmanline jetzt daran denken und sich nicht ein einziges Mal im Leben erlauben, das zu genie?en, wonach sie sich sehnte und was sie bekommen wollte? In ihrem ganzen Leben hatte sie auf alles verzichten müssen. Es stimmte… die Drachen hatten ihr alles genommen, und sie h?tte sie aus tiefstem Herzen hassen müssen. Doch Emmanline hatte sich diesem Gefühl niemals hingegeben. All das zu empfinden hatte sie sich nie erlaubt, weil sie glaubte, es nicht zu verdienen. Sie wollte sich weder die Mühe machen… noch die Energie verschwenden, denn es lohnte sich nicht. Irgendwann würde sie sich selbst dafür hassen... h?tte sie es zugelassen, Hass zu empfinden. Darum war es einfacher gewesen, überhaupt nichts zu fühlen.
Seit Emmanline hier war… bei ihm und all den anderen Drachen… konnte sie noch immer nicht vollst?ndig akzeptieren, dass sie anders waren. Doch langsam musste sie wirklich einsehen… sie waren anders. Und sie hatten auch eine gute Seite. Culebra hingegen war das abgrundtiefe B?se... skrupellos, bereit, seinen Weg mit Blut und Leichen zu pflastern. Das hatte sie unz?hlige Male gesehen und am eigenen Leib erfahren.
Sofort verbannte Emmanline diese schrecklichen Gedanken und Bilder. Sie wollte sie in diesem besonderen Moment nicht zulassen. Nicht, w?hrend Lucien sie so berührte… sie fühlen lie?. Sie wollte nicht zerst?ren, was er ihr gab. Diese Empfindungen, diese Augenblicke… sie wollte sie auskosten und genie?en. Denn alles war verg?nglich, und niemand wusste das besser als sie.
Lucien hatte sich zwischen ihre Beine gedr?ngt, und erst jetzt bemerkte sie, dass er sich vollst?ndig entkleidet hatte. Wann hatte er das getan? Der Gedanke kam ihr flüchtig, denn Emmanline hatte es überhaupt nicht bemerkt. Als sie sich ihm erneut hingab, wusste sie eines ganz sicher… sie hatte sich ver?ndert und sie würde nie wieder die sein… die sie einmal gewesen war. Nicht nach allem, was geschehen war.
In der letzten Nacht hatte Lucien gesagt, sie sei sein Untergang. Und nun begriff Emmanline, dass es auch auf sie zutraf. Sollte ihm jemals etwas geschehen, würde es sie ebenso treffen. W?hrend sie darüber nachdachte, fügten sich einzelne Puzzleteile zusammen. Der Tag im Lager, als sie ohne zu z?gern in seine Arme gerannt war, ohne an Konsequenzen zu denken. Der Moment, als sie ihn hatte warnen wollen, weil er in Gefahr gewesen war. Erinnerungen tauchten auf, in denen sie ihr eigenes Leben riskiert hatte… nur damit er sicher war. Oder all die anderen Augenblicke w?hrend ihrer Zeit auf dem Anwesen. Sie hatte gesehen, geholfen, unterstützt, wann immer sie konnte. Ohne darüber nachzudenken, was sie damit ausl?ste. Nicht in ihm... und schon gar nicht in sich selbst. Emmanline war mehr als bewusst, was es bedeutete, die Seelengef?hrtin eines Drachen zu sein. In ihrer Gefangenschaft hatte sie vieles gesehen und geh?rt. Sie wusste, dass gepr?gte Drachen ihr Gegenstück niemals ziehen lie?en. Egal, was geschah... sie waren auf diese Bindung fixiert, weil eine unbekannte Kraft sie dazu zwang, sich mit ihrem Partner zu vereinen. Keiner von beiden Seiten konnte sich dagegen wehren. Egal, wie sehr sie es nicht wollten.
Wollte sie all das hier? Um ehrlich zu sein… ja. Emmanline wollte genau alles davon besitzen. Nur ein einziges Mal in ihrem Leben wollte sie sich verlieren und gehen lassen. Dieser Mann vor ihr konnte das. Bei ihm konnte sie sich verlieren und all das sein, was sie schon immer hatte sein wollen... begehrt und die Eine. Emmanline hatte keine Zweifel daran, dass Lucien sie jemals betrügen oder einfach sitzen lassen würde… denn wenn seine Pr?gung zu ihr echt war… würde er es niemals zulassen. Fraglich war nur, ob er es freiwillig tat… und nicht, weil er vom Schicksal dazu gezwungen wurde. Emmanline wollte sich nicht schon wieder ausgenutzt fühlen. Doch genau so fühlte es sich im Augenblick nicht an. Er dr?ngte sie zu nichts. Lucien bat sie. Immer... als w?re sie ihm gegenüber gleichberechtigt.
?Ich will eines… noch wissen“, verlangte Emmanline atemlos und l?ste sich aus seinen sinnlichen und bet?renden Küssen.
?Alles, was du willst“, murmelte Lucien, ohne von den Küssen auf ihrer Haut abzulassen.
Emmanline verlor beinahe den Verstand. ?Ich wei?… wie stark eine Pr?gung bei euch Drachen sein kann“, schluckte sie hart, um sich zu wappnen, die n?chsten Worte auszusprechen. ?Man wird dazu gezwungen, sich dem Gef?hrten hinzu…“
?Falls du wissen willst“, unterbrach Lucien sie barsch, w?hrend seine Augen wie hitziges Feuer glühten, ?ob ich dazu gezwungen werde, dir so nahe zu sein… dann muss ich dich entt?uschen.“ Seine Stimme war fest… unumst??lich. ?All das hier, was ich mit dir tue… geschieht aus meinem freien Willen heraus. Ich will dich, Emmanline. Und ich würde dich auch wollen, wenn es zwischen uns keine Bindung g?be.“
Es war keine bewusste Entscheidung, als Emmanline ihm um den Hals fiel, ihr Gesicht in seiner Halsbeuge vergrub und sich verzweifelt an ihn klammerte. Sie sog seinen erdigen Geruch ein und füllte ihre Lunge damit. Ihr K?rper zitterte leicht, und er z?gerte keine Sekunde... Lucien schloss sie fest in seine starken Arme. Er schien genau zu wissen, wie sehr sie diese Umarmung brauchte… und dass nur er sie ihr in diesem Moment geben konnte.
Minuten vergingen wie Stunden, bis Emmanline sich schlie?lich von ihm l?ste. Ihre zarten H?nde lagen auf seiner starken, breiten Brust, w?hrend sie ihn mit suchenden Augen ansah. Dann tat sie etwas, das sie zuvor nur einmal bei ihm getan hatte. Sie nahm all ihren Mut zusammen und beugte sich vor… um ihn zu küssen. Es war zuerst nur ein zarter Hauch, den sie langsam vertiefte. Lucien schien überrascht, doch er ging darauf ein… nicht fordernd, nicht dr?ngend. Nur so, dass sie sich sicher fühlen konnte… und bei allen G?ttern… Emmanline fühlte sich sicher in seinen kraftstrotzenden Armen.

