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70. Emmanline/Lucien

  Dieser Mann raubte Emmanline beinahe den Atem, so wild und intensiv küsste er sie. Beinahe h?tte sie laut aufgest?hnt, als er sich so fest an sie dr?ngte. Ihr K?rper lechzte nach seiner N?he, nach seinen Küssen und Berührungen. Sie würde es niemals zugeben, aber sie genoss jede einzelne Sekunde mit ihm. Wie hatte es nur so weit kommen k?nnen? Emmanline konnte nicht anders, als diesen unglaublichen Kuss zu erwidern. Er war hart und fordernd, doch seine Lippen waren weich und nachgiebig. Sein Geschmack erdig… herb… so m?nnlich, so stark. Genau das, was sie in diesem Moment brauchte. Je mehr er ihr gab, desto mehr verfiel sie ihm. Bald würde sie sich überhaupt nicht mehr wehren k?nnen... egal, was er tat. Dieser Mann… dieser Drache… verzauberte sie immer mehr, obwohl sie sich eigentlich wehren sollte. Die Drachen waren ihr Unglück, ihr Verderben… sie hatten ihr so viel genommen. Wie konnte sie sich ausgerechnet zu einem Wesen hingezogen fühlen, das für all diese Grausamkeit stand? Es widersprach allem, was Emmanline je gekannt hatte.

  ?Ich…“, brachte Emmanline abgehackt zwischen den wilden Küssen hervor. ?… kann nicht…“

  ?Doch, das kannst du“, murmelte er gegen ihre Lippen und küsste sie einfach weiter, bis ihre Lippen geschwollen waren und prickelten. Wehren konnte Emmanline sich schon lange nicht mehr. Stattdessen presste sie sich so fest an ihn, wie sie nur konnte. Seine Arme schlangen sich automatisch noch enger um sie, bildeten einen schützenden Kokon um sie… genau das, was sie brauchte. Er schien instinktiv zu wissen, wonach sie sich sehnte, und ein Teil von ihr war ihm sogar dankbar dafür. Sie durfte das alles nicht zulassen, aber was sprach gegen ein einziges Mal wirklich loslassen? Sich fallen lassen? Doch gleichzeitig wusste sie… sie musste aufpassen. Sie durfte nicht vergessen, warum er sich pl?tzlich so aufmerksam, verst?ndnisvoll und liebenswürdig gab.

  ?Warum…“, presste Emmanline mit aller Kraft hervor und drückte sich von ihm weg. Sie h?tte keine Chance gehabt, sich allein aus seiner Umarmung zu l?sen… doch er lie? sie frei. Widerstrebend zwar, aber er respektierte ihren Wunsch. Das war neu... und gef?hrlich. Sie musste jetzt aufpassen, nichts falsch zu machen. Auch wenn er sich von ihr gel?st hatte… dieser Mann, der unglaublich küssen konnte… blieb er dicht vor ihr stehen und schaute ihr tief in die Augen. Augen, die loderten wie Feuer. Für sie. Das brachte ihr Herz aus dem Takt… Emmanline musste schwer schlucken. Dieser Mann war ihr Verh?ngnis, wenn sie sich weiter auf ihn einlie?. Ihre Vernunft versagte kl?glich. Stattdessen hob sich ihre Hand wie von selbst, getrieben von einem nahezu zwanghaften Verlangen. Sie wollte ihn berühren… so sehr, dass es sie selbst erschreckte. Das war nicht mehr normal. Aber was sollte sie dagegen tun?

  Vorsichtig und sanft legte Emmanline ihre H?nde auf seine Brust. Die Augen halb geschlossen, folgte sie mit dem Blick ihren Fingern. Wie sie wanderten… spürten. Seine Brust war hart, strotzte vor Muskeln, und doch fühlte es sich unglaublich gut an… richtig. Ein verst?render Gedanke, aber sie wollte es. Seine N?he… seine Berührungen. Dieser Mann gab ihr st?ndig welche, und dennoch schien es ihm nie genug zu sein. Sie war fast süchtig danach. Pl?tzlich riss sie ihre Augen auf und zuckte leicht zurück.

  ?Emmanline, was ist los?“, fragte er, und echte Besorgnis schwang in seiner Stimme mit.

  ?Ich… ich muss mich waschen.“ Emmanline schluckte hart und starrte auf ihre H?nde, die voller Blut waren. Es musste von den Heilungen kommen… sie hatte es v?llig vergessen, so vertieft war sie in ihrem Tun gewesen. Gegen Blut an sich hatte sie nichts... es ekelte sie nicht, doch in diesem Moment erschreckte es sie. Natürlich war sie es gewohnt… aber warum reagierte sie immer so stark darauf? Vermutlich, weil es viel zu schnell vergossen werden konnte. Das Blut an ihren H?nden stammte von grausamen Taten, die anderen zugefügt worden waren. Allein die Erinnerungen reichten, um sie zu überfluten… all die Schreie… die Qualen in ihrer Gefangenschaft. Immer wieder war Blut vergossen worden... vor ihren Augen.

  Vorsichtig und sanft legten sich gro?e H?nde um ihre eigenen. überrascht und aus ihren Gedanken gerissen, schaute Emmanline auf… direkt in warme, verst?ndnisvolle Augen, als wüsste er genau, was in ihr vorging. ?Nicht“, sagte er leise. ?Komm mit.“ Er zog sie sanft hinter sich her, bis sie vor einer kleinen Quelle standen. Mit einer Geste bedeutete er ihr, dass sie hier ihre H?nde waschen konnte. Sie tat es sofort. Auf den Knien beugte sie sich vor und tauchte die blutigen H?nde in das kühle Nass. Es fühlte sich gut an… erfrischend… reinigend. Genau das, was Emmanline jetzt brauchte. Die Quelle sprudelte aus einem kleinen Felsvorsprung, umgeben von saftig grünem Moos. überall rankten Pflanzen, sodass der Ort verborgen wirkte… man h?tte ihn leicht übersehen k?nnen, obwohl das Wasser leise pl?tscherte. Selbst sie hatte ihn nicht bemerkt, bis der Drache sie darauf aufmerksam gemacht hatte. Er stand ein paar Schritte entfernt und beobachtete sie. ?Ist es besser?“

  ?Ja.“ Emmanline nickte leicht und blickte zu der hohen Gestalt auf. Doch irgendetwas stimmte nicht. Er wirkte ernst… fast grimmig. ?Was ist los?“ Sie schaute sich alarmiert um. War Gefahr in der N?he?

  ?Ich habe eine Frage an dich“, klang er unfassbar ernst.

  Ruckartig drehte Emmanline ihren Kopf wieder zu ihm und blickte ihn misstrauisch an. ?Was für eine Frage?“, fragte sie vorsichtig.

  Kurz schien er zu z?gern. ?Ich verstehe deine Lage… du lebst unwillig bei mir.“ Dabei traf seine Vermutung ins Schwarze. ?Du bist schon eine lange Zeit hier und ich tue wirklich alles, damit du dich wohlfühlst und dir niemand schadet. Ich würde dich jederzeit beschützen. Alles für dich tun.“ Er schloss für einen Moment seine glühenden sch?nen Augen, als müsste er sich sammeln. Was sollte das werden? ?Ich verstehe auch, warum du immer auf der Hut bist… du kennst es nicht anders. Aber dennoch brennt mir eine einzige Frage auf der Zunge. Sie besch?ftigt mich schon sehr lange.“ Er ?ffnete wieder seine glühenden Augen, und in seinem Blick flackerte erneut dieses Verlangen auf.

  ?Was... was besch?ftigt dich?“, fragte Emmanline und leckte sich unbewusst über ihre trockenen Lippen. Sofort wanderte sein Blick zu ihrem Mund. Sie musste es wissen. Emmanline musste ehrlich zugeben… nichts und niemand brachte diesen Mann sonst aus der Ruhe. Was auch immer er fragen wollte, es schien ihm wirklich wichtig zu sein… etwas, das sie ihm offenbar vorenthielt.

  Ein weiteres Z?gern. Gerade wollte sie ihn dr?ngen, als er von allein begann. ?Warum sprichst du nie meinen Namen aus?“

  Vor überraschung klappte ihr die Kinnlade herunter. War das sein Ernst? Das war die Frage, die ihn qu?lte? ?Du willst... dass ich deinen Namen ausspreche? Das ist es, was dich die ganze Zeit besch?ftigt?“, fragte Emmanline ungl?ubig.

  Ein leises Brummen drang aus seiner Brust, w?hrend er kurz zur Seite schaute. Er verlagerte sein Gewicht von einem Fu? auf den anderen. Es war ihm tats?chlich unangenehm, ihr das zu gestehen. ?Mach dich blo? nicht über mich lustig“, knurrte er und begann, unruhig Auf und Ab zu gehen. Tats?chlich… diese einfache Frage brachte den gro?en, unerschütterlichen Drachenk?nig aus der Fassung.

  Gerade wollte Emmanline aufstehen, als jemand sie packte und grob nach hinten riss. Einen kleinen überraschten Laut konnte sie nicht unterdrücken, als sich ein starker Arm um ihren Hals schlang. Aus purem Reflex griff sie nach dem massigen Arm, der ihr die Kehle zudrückte. Er war hart wie Stahl und unnachgiebig. Ein drohendes… wildes Knurren durchschnitt die Stille. Abgesehen von ihren erstickten Atemzügen war es nun das Einzige, was sie h?ren konnte… zusammen mit ihrem eigenen, dr?hnenden Herzschlag in ihren spitzen Ohren.

  ?Lass sie los, Wisdom“, knurrte der Drache, und seine Stimme wurde mit jedem Wort wütender und t?dlicher. Anscheinend kannte er den Angreifer.

  ?Du wirst für alles bezahlen, Lucien De la Cruise“, spie der Mann hinter ihr den Namen geradezu aus, erfüllt von purem Hass. Emmanline bekam eine pure G?nsehaut von dieser Intensit?t und ihr K?rper versteifte sich.

  ?Was soll der Schei??“, wollte der Drache auf sie zukommen, doch der Druck auf ihrer Kehle wurde nur noch fester… die Luft blieb ihr immer mehr weg.

  ?Keinen Schritt n?her, oder deine kleine Hure stirbt“, drohte der Fremde. Es waren keine leeren Worte. Er würde sie t?ten. Sofort blieb er stehen. Selbst durch ihren verschleierten Blick hindurch konnte sie den Drachen in ihm erkennen. Er stand kurz davor, in Raserei zu verfallen… nur um sie zu retten. ?Ich habe eine menge Fragen an dich.“

  ?Verflucht noch mal, Garett! Was soll das? Was habe ich getan, warum du so verdammt wütend auf mich bist?“, knurrte der Drache t?dlich. Seine Augen versprachen nichts anderes als Zerst?rung. ?Krümmst du ihr auch nur ein Haar, zerrei?e ich dich in Stücke. Ich bin derjenige, der hier die Fragen stellen sollte“, zischte er vor ihr. ?Du dringst in mein Reich ein, überf?llst und t?test alles und jeden?“

  Lucien

  Lucien erkannte deutliche Verwirrung in Garetts Gesicht... der Lykae runzelte die Stirn. Er war fest davon überzeugt, dass Garett sich seiner Taten bewusst war. Doch irgendetwas stimmte nicht. ?Ich wei? nicht, wovon du sprichst“, sagte Garett, und echte Ungl?ubigkeit schwang in seiner Stimme mit.

  Einen Moment lang schwieg Lucien und musterte ihn forschend. ?H?r auf, mich zu verarschen, Garett“, warnte er. Er hatte keine Lust, sich hier veralbern zu lassen... schon gar nicht, wenn es um sein Volk ging. Und erst recht nicht, wenn es um seine Seelengef?hrtin ging. Der Spa? h?rte hier endgültig auf. Lucien h?tte nie gedacht, dass er einmal leichte Panik verspüren k?nnte. Dieser Mann, der Emmanline im Würgegriff hatte, war ein Lykae... eine der Wolfsbestien der Mythenwelt. Lucien hatte immer geglaubt, Garett sei der besonnenere der Wisdom-Brüder. Doch das Verhalten, das er hier zeigte, machte ihn rasend. Verdammt rasend. Das würde er ihm nicht durchgehen lassen. Er würde ihm den Kopf abrei?en... für den provozierten Einfall in sein Territorium und für die Leben seines Volkes, die Garett auf dem Gewissen hatte. Sie hatten sich immer aus den Lykae-Gebieten herausgehalten. Und wehe, er krümmte Emmanline auch nur ein Haar, dann würde Lucien ihn auf brutalste Weise in der Luft zerrei?en, ohne mit der Wimper zu zucken. Schon jetzt verspürte er die m?rderische Lust, ihn in Stücke zu zerfetzen... allein weil er sie bedrohte. Ein tiefes Knurren riss seine Aufmerksamkeit wieder auf den Lykae. Doch zuvor warf er noch einen schnellen Blick auf Emmanline. Er musste sie zurückhaben.

  Stolen from its rightful place, this narrative is not meant to be on Amazon; report any sightings.

  Sofort.

  ?Eigentlich müsste ich dich in Stücke rei?en“, grollte Garett. ?Wer ist in mein Territorium eingedrungen, hat wahllos gemordet und alles überfallen? Jede Ansiedlung in Reichweite? Wer hat Frauen und sogar Kinder auf dem Gewissen... abgeschlachtet, als w?ren sie Vieh?“ Seine Augen glühten pl?tzlich golden, und er starrte Lucien an, als wolle er ihn als Einzigen vernichten.

  Nun war Lucien derjenige, der nicht verstand und verwirrt wirkte. ?Wovon... sprichst du überhaupt? Wir sind in keiner Weise in eure Territorien eingedrungen, geschweige denn... haben wir gemordet oder überfallen.“ Das schien Garett nur noch wütender zu machen. Ein t?dliches Grollen drang aus seiner Kehle. Lucien sah, wie nah er der Verwandlung stand... er konnte den Wolf schon riechen. Ein Funke würde reichen, und eine t?dliche Bestie würde vor ihm stehen. Das schlimmste jedoch... Emmanline war genau zwischen ihnen. Lucien konnte ihr Leben nicht riskieren. Auf keinen Fall.

  Garett schien etwas sagen zu wollen, doch Lucien h?rte seine Worte nicht... Emmanlines Stimme flüsterte direkt in seine Gedanken. Und wie k?nnte er sie in einer solchen Lage ignorieren? ?Er ist t?dlich verwundet“, sagte sie leise in seinem Kopf.

  Er war was?, dachte Lucien verwirrt und blickte sie ausdruckslos an. Einen Moment hielt er ihrem silbernen Blick stand. Emmanline meinte es ernst... todernst. Erst dann richtete er seine intensiven Augen wieder auf Garett und sog die Luft ein. Da war es... der Geruch von getrocknetem Blut… und etwas... anderem. Er kannte diesen Gestank. Eine Spur von Tod, vermischt mit etwas Giftigem... Fressendem. ?Woher wei?t du das?“, flüsterte Lucien in ihre Gedanken zurück, ohne den Blick vom Lykae abzuwenden.

  ?Ich spüre es“, antwortete Emmanline. ?Am Anfang habe ich es nicht bemerkt, aber er ist t?dlich verletzt. Es ist nicht die offene Wunde, die ihn umbringt. Es ist… als würde ihn etwas von innen heraus zerfressen. Eine Art Gift… oder Parasit.“ Das letzte Wort kam z?gernd, als h?tte sie genau danach gesucht.

  Da fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Genau das war der fremde Geruch gewesen, den Lucien nicht hatte einordnen k?nnen. Emmanline hatte recht. Etwas fra? sich durch Garetts Blut... eingedrungen durch die Wunde. ?Wer hat dich verwundet, Garett?“

  Das war der Funke, der die Leine riss. Mit einem ohrenbet?ubenden, bestialischen Gebrüll schleuderte Garett Emmanline brutal von sich. Sie schlug hart auf dem Boden auf. Gleichzeitig begann die Verwandlung. Seine Gestalt wuchs auf über drei Meter an, H?nde wurden zu messerscharfen Klauen, das Gesicht verzerrte sich zu einer riesigen Schnauze mit rasiermesserscharfen Rei?z?hnen... Z?hnen, die es mit Luciens eigenen aufnehmen konnten. Die Kleidung zerriss in Fetzen, w?hrend dichtes Fell seinen massigen K?rper überzog. ?Du verdammter Hurensohn!“, brüllte die Bestie, die Stimme nun tief, animalisch und kaum noch menschlich. ?Ich werde dir die Kehle zerfetzen und dein Herz herausrei?en!“ Noch nie hatte Lucien ihn so gesehen... so vollkommen m?rderisch, so jenseits jeder Kontrolle.

  Was zur H?lle war hier los?

  Lucien fuhr mit der rechten Hand zu seiner linken Hüfte, wo sein Schwert am Gurt hing. In einem einzigen, flie?enden Zug zog er es heraus und machte sich kampfbereit. Er war bereit, sofort anzugreifen. Sein Blick huschte flüchtig zu Emmanline. Sie versuchte, sich vom Sturz aufzurichten. Am liebsten w?re er zu ihr gestürmt, doch er konnte nicht. Die Bestie stand noch immer zwischen ihnen... kurz davor, v?llig in Raserei zu verfallen. Einfacher w?re es, wenn er sich in seine Drachengestalt verwandeln würde. Aber Lucien befürchtete, Emmanline dadurch noch mehr zu gef?hrden. Ein Kampf in Drachenform würde alles um sie herum zerst?ren; er k?nnte den überblick verlieren. Also blieb ihm nichts anderes übrig, als sich Garett in menschlicher Gestalt zu stellen... mit Schwert und blo?en H?nden. Auch darin war er ein meisterlicher, m?rderischer Krieger.

  Garetts Wut und Hass schienen ihn blind gemacht zu haben. Sein einziges Ziel war er. Aus einem Grund, den Lucien nicht verstand. Keine Sekunde sp?ter stürmte die t?dliche Bestie auf ihn zu... mit dem einzigen Ziel, ihm die Kehle herauszurei?en, wie sie es gedroht hatte.

  Lucien wartete auf den perfekten Moment, in dem sie aufeinanderprallen würden. Ein hoher Schrei ert?nte, doch er nahm ihn kaum wahr. Sein Fokus lag allein darauf, zu verteidigen... nicht nur sich selbst, sondern vor allem Emmanline. Ohne ihn w?re sie schutzlos. Sicher hatten seine Krieger und das Lager das m?rderische Gebrüll des Lykae geh?rt. Sie waren gewiss bereits unterwegs, um ihn und Emmanline zu Hilfe zu eilen. Doch bis sie eintrafen, konnte es zu sp?t sein. Schon nach dem ersten Angriff von Garett wurde Lucien klar... in menschlicher Gestalt hatte er keine Chance, ihn zu besiegen. Die Bestie k?mpfte mit m?rderischer, listiger Pr?senz... ein Schwert allein konnte da nicht mithalten. Wenn er nicht schnell etwas einfiel, würde er unterliegen. Blieb nur eine M?glichkeit... er musste sich verwandeln. Doch dafür brauchte er Abstand... er musste Garett so weit wie m?glich von Emmanline weglocken.

  Der aussichtslose Kampf zog sich wie eine Ewigkeit hin. Selbst Lucien rang langsam nach Atem. Garett schien seine Absicht zu durchschauen, denn er lie? sich nicht vom Fleck locken. Jedes Mal, wenn Lucien glaubte, ihn ein Stück von ihr weggezogen zu haben, wich die Bestie wieder in Emmanlines Richtung aus. Sie lag noch immer benommen am Boden. Lucien sah aus dem Augenwinkel Blut von ihrer Stirn flie?en... sie musste mit dem Kopf hart aufgeschlagen sein. Das entfachte eine neue Welle der Wut in ihm. Mit dem Schwert, Tritten und der linken Faust schlug er auf die monstr?se Wolfsgestalt ein. Er landete Volltreffer, doch sie schienen der Bestie kaum etwas auszumachen. Lucien hatte davon geh?rt... verfielen Lykae in Raserei, spürten sie keinerlei Schmerz. Nur blinder, reiner Zorn blieb... ein Zustand, der ihren Verstand von jeglicher Vernunft abschottete. Zurück blieb eine einzige Kampfmaschine, die nicht eher haltmachte, bis alles in Schutt und Asche lag. Sie k?mpften weiter, bis sich nichts mehr bewegte. Bei Drachen war es ?hnlich... doch mit einem entscheidenden Unterschied... gab sich ein Drache der Raserei hin, gab es kein Erwachen mehr. Er t?tete bis zu seinem eigenen Ende.

  ?Verflucht“, knurrte Lucien durch zusammengebissene Z?hne. Er hatte schon mehrmals versucht, mit Worten zu Garett durchzudringen... vergeblich. Seine Kraft schwand stetig... er konnte sich diese sinnlose Energieverschwendung nicht l?nger leisten. Zu viel stand auf dem Spiel. Er musste sich verwandeln. Gerade als Lucien den Entschluss fasste, stürmten mit t?dlicher Pr?zision drei seiner Krieger aus dem Dickicht und warfen sich auf die rasende Bestie. Er erkannte sie sofort. Cyrill war der Erste, der sich auf den Lykae stürzte. Lucien erkannte ihn an seiner t?dlichen Pr?senz und der gnadenlosen Effizienz, mit der er seine Zwillingsschwerter schwang... eine Klinge in jeder Hand. Dann Ian, der Gef?hrte seiner Schwester Lya. Es war ungew?hnlich, ihn an vorderster Front zu sehen... normalerweise k?mpfte er nicht in der ersten Reihe. Doch hier war er ein ungez?hmter D?mon... keinesfalls als Beleidigung gemeint, sondern als h?chstes Lob für seine Wildheit. Und schlie?lich Aiden. Lucien sah noch immer rot, wenn er ihn erblickte. Doch der Mann war hier als Krieger. Jedes Mal, wenn Lucien ihn sah, wurde ihm bewusster, was Aiden getan hatte... er hatte Emmanline aus der Gefangenschaft befreit. Eigentlich sollte er ihm dankbar sein... stattdessen fra? die Eifersucht an ihm. Aiden wollte sie. Aber sie geh?rte ihm. Niemals würde er sie gehen lassen. Nicht jetzt, da er sie endlich gefunden hatte.

  Au?er Atem wischte sich Lucien mit dem Oberarm über die schwei?nasse Stirn und beobachtete, wie die drei eingespielt gegen die tobende Bestie k?mpften. Er selbst trug ein paar Verletzungen davon... oberfl?chliche Schnitte und Prellungen... doch sie waren bedeutungslos. Er achtete nicht weiter darauf. Am liebsten w?re er sofort zu Emmanline gestürmt. Doch er musste erst etwas beenden. Wenn einer diesen Lykae t?tete, dann er selbst. Garett hatte ihn auf seinem eigenen Boden angegriffen. Er hatte seine Seelengef?hrtin bedroht... sie verletzt. Niemand griff die Gef?hrtin eines Drachen an, ohne dafür zu bluten. Garett würde nicht ungestraft davonkommen.

  ?Er geh?rt mir“, knurrte Lucien seinen Kriegern zu, w?hrend er auf die niedergestreckte, blutende Bestie hinabblickte. Das Parasiten-Gift, das durch Garetts Blut kroch, verlieh ihm offenbar eine verdammte Ausdauer... seine Kraft war trotz allem noch immer enorm. Selbst gegen drei seiner besten Krieger hatte er lange durchgehalten, bevor er endlich niedergestreckt worden war. Garett wehrte sich ein letztes Mal, doch unerwartet begann die Rückverwandlung. Das überraschte Lucien wirklich... damit hatte er nicht gerechnet. Der nackte K?rper des Lykae war über und über mit Blut bedeckt.

  Garett blickte Lucien mit zornigen, hasserfüllten Augen an und fletschte die Z?hne. ?Na los, tu es. Beende endlich, womit du angefangen hast“, zischte Garett voller Verachtung und Abscheu. Das würde Lucien mit dem gr??ten Vergnügen tun. Auch wenn sie einander stets aus dem Weg gegangen waren.

  Da erklang erneut der Schrei, den er zuvor schon einmal wahrgenommen hatte. Diesmal verstand er die Worte klar und deutlich. Es war Emmanlines Schrei. ?Nein... tu das nicht!“ Schon war sie bei ihm und stellte sich schützend zwischen ihn und den Lykae.

  Lucien knurrte wütend. ?Was soll das? Geh mir aus dem Weg!“

  ?Nein, das werde ich nicht“, erwiderte Emmanline mit erhobenem Haupt und streckte trotzig das Kinn vor. Ihr schneewei?es Haar wehte im Wind. Diese Frau war verdammt mutig... aber auch verdammt leichtsinnig.

  Pl?tzlich ert?nte ein h?hnisches Lachen. ?L?sst sich von einer Frau etwas sagen“, spottete Garett und spuckte Blut auf den Boden.

  ?Geh mir aus dem Weg“, wurde Lucien immer wütender. Er konnte es sich nicht leisten, auch nur den Hauch einer Schw?che zu zeigen... weder vor dem Feind noch vor seinen eigenen Kriegern. Das musste er ihr noch beibringen... er lie? sich nichts sagen. Schon gar nicht in einer solchen Situation.

  Pl?tzlich schlangen sich kleine Arme um seinen m?chtigen K?rper, und ein warmer Leib schmiegte sich an ihn. Sofort str?mte durch Hitze seinen ganzen K?rper. ?Du darfst ihm nichts tun. Das... das ist nicht richtig“, flüsterte Emmanline und schaute mit bittenden silbernen Augen zu ihm auf.

  Lucien starrte mit glühenden Kohlen auf sie herab. ?Nicht richtig?“, wiederholte er fassungslos. Er konnte es einfach nicht begreifen. ?Er wollte dich t?ten... ohne jede Gnade. Und du willst, dass ich ihn verschone?“

  Kurz schwieg Emmanline und schüttelte leicht den Kopf. ?Ja... das will ich“, sagte sie leise, aber bestimmt. ?Ich dachte zuerst, er würde es tun, aber… er h?tte es nie getan. Wenn er mich wirklich h?tte umbringen wollen, h?tte er es l?ngst. Mir geht es gut.“ Sie versuchte, ihn zu beruhigen.

  Luciens Herz setzte für einen Schlag aus. Er schaute sie einfach nur an. Sie war wundersch?n... und er verstand beim besten Willen nicht, warum sie sich so für Garett einsetzte. Sanft berührte er mit den Fingerspitzen ihre verletzte Stirn. Sie zuckte nicht einmal zusammen, obwohl sie Schmerzen haben musste. Diese Frau sah vielleicht zerbrechlich aus, doch sie besa? mehr Kraft und Mut, als man ihr zutraute. ?Du bist verrückt“, murmelte Lucien. ?Warum... deiner Meinung nach... sollte ich ihn verschonen?“

  Ihr Blick wurde für einen kurzen Moment weicher. ?Weil ich glaube, dass all das auf einem gro?en Missverst?ndnis beruht.“

  Das war zu viel. Das Fass lief über. Sofort machte Lucien sich von ihr los. Er war furchtbar wütend, als er Emmanline ansah. Sie wankte leicht, wich jedoch keinen Schritt zurück und lie? sich auch nicht einschüchtern. ?Gro?es Missverst?ndnis?“, wiederholte er ihre Worte... diesmal als ungl?ubige Frage. Selbst Garett schien ihm da recht zu geben. ?Bist du noch bei Sinnen?“, schrie er fast. Doch sie wich noch immer nicht zurück.

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