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63. Emmanline/Lucien

  ?Cyrill, verschwinde.“ Er knurrte erneut erzürnt auf.

  Mit erhobenen H?nden stand er auf. ?Sicher.“ Er grinste leicht. ?Habt Dank für die Unterhaltung, Mylady. Bis zum n?chsten Mal.“ Kurz verbeugte sich der Mann vor ihr und verschwand blitzartig. Emmanline sah ihm nach und konnte sein Haar wirklich bewundern… sch?nes, kohlrabenschwarzes Haar, das fast heilig wirkte.

  ?Emmanline.“ Ihr Name wurde mit klarer, ausdrucksvoller Stimme ausgesprochen.

  ?Geh“, hauchte Emmanline bestimmt. ?Es gibt nichts zu sagen.“ Eine Stille kehrte ein, und unausgesprochene Worte lagen in der Luft. Niemand rührte sich... weder er noch sie.

  Erst einen Moment sp?ter vernahm sie, wie er tief einatmete. ?Ich wei?, ich... ich habe wahnsinnigen Mist gebaut, aber ich würde dir gerne etwas zeigen.“ Er bat sie in stiller Bitte.

  Emmanline biss die Z?hne fest zusammen. ?Was verstehst du nicht daran, dass du geh…“ Doch in diesem Augenblick drehte sie sich um, und ihr stockte der Atem. Ihre silbernen Augen weiteten sich. Der Mann und Drache vor ihr sah so niedergeschlagen und ersch?pft aus, als h?tte er lange Zeit nicht richtig geschlafen. Seine feuerroten, natürlichen Augen waren von einem dunklen Schleier überzogen, sein Gesicht wirkte müde und ausgelaugt. An ihm war nichts mehr zu sehen, was ihn zuvor ausgemacht hatte. Er sah v?llig ver?ndert aus. Was war nur mit ihm geschehen? Ein Ziehen ging durch Emmanline hindurch, und am liebsten w?re sie zu ihm gelaufen und h?tte sich in seine Arme geworfen. Ein starkes Bedürfnis zwang sie dazu, sich um ihn zu kümmern… ihn zu tr?sten. Woher dieser Drang kam, wusste sie nicht, aber er war überm?chtig. Gerade noch konnte sie sich davon abhalten... es kostete sie gro?e Mühe.

  ?Ich verstehe, dass du noch immer wütend auf mich bist... und das sollst du auch sein.“ Er fuhr sich ersch?pft mit der Hand über das müde Gesicht, sein schwarzes Haar war zerzaust, und der Klang seiner Stimme lie? ihr das Herz schwer werden. Es erschreckte sie.

  ?In Ordnung. Ich begleite dich.“ Emmanline willigte ein, ohne darüber nachzudenken.

  Er wirkte überrascht von ihrer pl?tzlichen Zusage, bemerkte aber, wie er erleichtert ausatmete. Normalerweise h?tte Emmanline ein L?cheln von ihm erwartet, doch diesmal regte sich kein Zucken seiner Lippen. Dabei war er doch sonst immer zuversichtlich, wenn er bekam, was er wollte. Etwas stimmte nicht mit ihm.

  Emmanline stand langsam auf und ging um die Gartenbank herum… trat gebannt auf ihn zu. Sie wollte ihn so gern berühren, doch sie durfte nicht. Noch nicht. Als sie vor ihm stand und zu ihm aufschaute, sah er sie nicht an. ?Zeige es mir“, flüsterte Emmanline ihm zu, und er nickte nur. Dieser Mann berührte sie nicht einmal. Er vermied es, sie anzusehen oder zu berühren, was ein ungewohntes Gefühl von Kummer aufkeimen lie?. So folgte sie ihm schweigend. Er ging vor ihr, und sie konnte nicht verhindern, dass sie ihn von oben bis unten musterte. Sicher spürte er es, denn sie bemerkte, wie er sich am ganzen K?rper versteifte. Sein Unbehagen drang tief in sie hinein.

  Für einen kurzen Augenblick war Emmanline abgelenkt und hatte nicht bemerkt, wohin er sie führte. Jetzt jedoch wurde ihr klar, wohin der Drache sie brachte... und es behagte ihr nicht. Der Mann führte Emmanline in den Wald, in dem sie zuvor oft gewesen war. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals und ihr Atem kam sto?weise. Sie wollte einen Rückzieher machen, doch ihr Verstand rügte sie… sie durfte es nicht tun, nicht jetzt. Alles in ihr schrie auf, ihre Alarmglocken l?uteten... sie durfte nicht zurück. Standhaft folgte Emmanline ihm weiter, befürchtend, etwas zu sehen, das ihr nicht gefallen würde. Doch irgendwie war es ihm wichtig, dass sie genau das sah, was er ihr zeigen wollte. Sie musste sich auf alles gefasst machen, egal, was kommen mochte.

  Die Dunkelheit der Nacht hatte l?ngst Einzug gehalten, und die ersten Sterne erschienen am Himmel. Auch der Mond lie? sich blicken, auf dem Weg, sich zu einem Vollmond zu entwickeln. Heute wirkte er klein und unerreichbar. Je weiter sie in den dunklen Wald gingen, desto düsterer wurde es. Emmanline konnte kaum etwas erkennen, bis sie ein helles Licht weiter vorne erblickte. Jetzt erst stieg ihr ein wohltuender, herrlicher Duft in die Nase... exotisch und sü?lich. Mit jedem Schritt wurden die Düfte st?rker und intensiver, bis sie die Lichtung erreichten, die sie so gut kannte. Was sie hier sah, lie? ihr den Atem stocken. Mitten auf der Lichtung blieb Emmanline stehen, die silbernen Augen weit aufgerissen. Langsam drehte sie sich im Kreis. Ihr Mund stand vor Staunen offen, so fasziniert und beinahe hypnotisiert war sie. ?Oh…“ Mehr brachte sie nicht hervor. Eigentlich gar kein Wort.

  Vor ihr erstreckte sich eine Lichtung voller prachtvoller Blumen, in so vielen bunten Farben, dass zu leuchten schienen... wie damals an jenem Ort, an den er Emmanline nach dem Angriff der Vampire gebracht hatte. Alles überstieg ihre Vorstellungen. Viele dieser Pflanzen hatte sie noch nie gesehen, und doch waren sie von unsagbarer Sch?nheit. Riesige Blüten und üppige Bl?tter, alles in voller Lebendigkeit und ein inneres Leuchten. überall schwirrten und surrten Nachtwesen, die sich genüsslich an den Blüten labten. Was Emmanline hier sah, war mit dem zuvor Erlebten nicht zu vergleichen. All die Asche, die einst alles verbrannt hatte, war verschwunden, als h?tte es sie nie gegeben. Als h?tte hier nie ein Feuer gewütet.

  ?Warst... du das gewesen?“ Langsam drehte Emmanline sich zu ihm um. Er hatte sie die ganze Zeit beobachtet... und tat es noch immer, mit einem ausgiebigen, beinahe besitzergreifenden Blick. Seine Augen glühten vor Begehren. Es h?tte sie erschrecken sollen. Doch sie verspürte keine Angst. Im Gegenteil… es war etwas sehr viel Komplexeres als blo?e Furcht.

  Sein Blick, der so lange auf ihr geruht hatte, glitt zur Seite. Das überraschte sie. ?Ich wollte dir etwas zurückgeben.“ Seine Stimme klang müde, ersch?pft.

  Nein, es gefiel ihr ganz und gar nicht, wie er sich ihr nun gegenüber verhielt... und wie sehr er litt. Zum ersten Mal konnte Emmanline wirklich spüren, wie tief dieser Schmerz reichte. ?Sieh mich an“, bat sie leise. Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, doch sie wusste, dass er sie h?rte. Sein K?rper verriet es, als er sich noch weiter anspannte. Trotzdem kam er ihrer Bitte nicht nach. Ein kleiner Schmerz durchzuckte sie, und ein schwerer Knoten bildete sich in ihrer Magengegend. Kurz z?gerte Emmanline, doch ihre nackten Fü?e bewegten sich von selbst durch das pr?chtige neue Leben. Langsam und bedacht ging sie auf ihn zu, aus Angst, ihn zu bedr?ngen. ?Sieh mich an“, bat sie erneut, als sie vor ihm stehen blieb... nur wenige Zentimeter entfernt. Behutsam streckte sie die Hand aus, legte sie an seine Wange und drehte sein Gesicht zu sich. Er h?tte sich wehren k?nnen. Doch er tat es nicht. Ihr silberner Blick war sanft. ?Du hast das für mich getan?“

  ?Ja.“ Nur ein einziges, schwaches Wort.

  Es rührte sie zutiefst. ?Vielen Dank.“ Sanft sprach Emmanline diese Worte und lie? ihn keinen einzigen Augenblick aus ihren Augen. Sie empfand aufrichtige Dankbarkeit für das, was er getan hatte. Sicherlich war es unverzeihlich, dass er zuvor all das Leben zerst?rt hatte, aber nun hatte er diesen Ort wieder zum Leben und Erblühen gebracht. Wie konnte sie eine solche Geste ignorieren, wenn sie doch sah, wie sehr er sich Mühe gegeben hatte, alles in solcher Sch?nheit erstrahlen zu lassen? ?So etwas hat noch niemand für mich getan. Willst du so sehr, dass ich dir vergebe?“

  ?Ja.“ Wieder nur ein einziges schwaches Wort.

  ?Willst du so sehr mein Einverst?ndnis?“, fragte Emmanline mit sorgenvoller Neugier.

  ?Ja.“ Allein dieses eine Wort l?ste so viele Emotionen in ihr aus, dass sie zun?chst sprachlos war. Doch sie konnte nicht anders. Es war einfach unm?glich, bei allem, was er tat, Widerstand zu leisten.

  Sachte streichelte sie mit den Fingerspitzen über seine warme, angespannte Wange. ?Ich verzeihe dir.“ Schon diese Worte lie?en spüren, welche Last von ihm abfiel. Emmanline sah es in seinen feuerroten Augen, die vor Erleichterung zu glühen begannen... wie hei?e Kohlen, die alles in Brand setzen konnten. Nein, sie hatten ein Feuer in ihr entfacht. Sie brannte lichterloh angesichts dieser unglaublich sch?nen Augen.

  ?Ihr G?tter, Emmanline…“, flüsterte er rau, und sein Blick war voller Z?rtlichkeit. Selbst seine Berührungen waren reine Sanftheit, w?hrend er mit seinen H?nden von ihren Schultern bis zu ihren Fingerspitzen hinunterwanderte. Eine G?nsehaut breitete sich auf ihrer Haut aus. Alles kribbelte in ihr, und ein Schauer von W?rme durchstr?mte ihren ganzen K?rper. Ein Seufzer der Zufriedenheit entfuhr ihr, und für einen Moment gestattete sie sich, die Augen bei diesem Gefühl zu schlie?en. Es tat so unglaublich gut. ?In... den ganzen Wochen habe ich mich danach gesehnt, dich zu berühren.“ Seine Stimme war heiser, durchzogen von Verlangen. Bei diesen Worten und seiner beruhigenden Stimme ?ffnete Emmanline wieder die Augen und blickte zu ihm auf. Er war so gro?, so maskulin, sein Aussehen erinnerte an eine fein gemei?elte Statue purer M?nnlichkeit. Seine Schultern waren breit... perfekt zum Anlehnen und Festhalten. Die W?rme, die er ausstrahlte, fühlte sich geborgen und sicher an. Ihr ganzes Inneres sehnte sich danach, alles von ihm zu bekommen, was er ihr geben konnte. Tief in ihrem Inneren wusste sie auch, dass er ihr all das geben würde, was sie verlangte. Nur ihre Angst hielt sie zurück... die Angst, Vertrauen aufzubauen. Angst davor, dass alles, was sie bekam, schnell wieder verschwinden würde, weil sie es immer verloren hatte. ?Es war grausam, so von dir fern zu bleiben. Ich habe mich so sehr danach gesehnt, dich zu sehen, zu berühren, zu spüren… und zu schmecken. Es war die H?lle für mich.“ Seine Stimme wurde flüsternder, doch sie verstand jedes Wort, weil er ihr so nah war. Seine H?nde legten sich beschützend auf ihre Wangen, w?hrend er seine Stirn an die ihre lehnte... eine Geste, die er bei ihr so gern zeigte. ?Ich brauche dich, Emmanline. So sehr. Alles in mir verlangt danach, bei dir zu sein, weil du mir ungeheuer wichtig geworden bist. Bitte bleibe bei mir.“ Er flehte regelrecht, und sein Ton lie? ihr Herz erst kurz stillstehen, um dann in einem schmerzhaften, schnellen Rhythmus wieder aufzunehmen. Ihre Brust brannte, und sie bekam kaum noch Luft.

  Stolen from its original source, this story is not meant to be on Amazon; report any sightings.

  Emmanline starrte ihn sprachlos an. Was konnte sie darauf erwidern? In seinen Worten lag eine Sehnsucht, die ihr vollkommen fremd war. Seine Worte spiegelten sowohl seine Sehnsüchte als auch seine ?ngste wider... und sie konnte beides h?ren und fühlen. ?Ich habe es vermisst.“ Sie schmiegte ihr Gesicht in seine Handfl?chen, w?hrend ihre H?nde sich auf die seinen legten. ?Dass du mich berührst.“ Sie gestand es, w?hrend ihr Herz rasend schnell schlug.

  Lucien

  Lucien zog scharf die Luft ein, als er ihr Gest?ndnis h?rte. Er konnte kaum fassen, was hier gerade geschah. Sein Herz wurde unsagbar schwer, w?hrend er Emmanline betrachtete. Sie war unglaublich sch?n, und er hatte es so sehr vermisst, sie vor sich zu haben... sie zu berühren, mit seinen Fingern über ihre zarte Haut zu streichen, ihren herrlichen, femininen Duft einzuatmen, den Klang ihrer Stimme, ihre ganze Pr?senz. All das hatte er so sehr vermisst. Es war eigenartig, so etwas Banales wie ihre N?he zu spüren, und doch war es unglaublich wichtig für ihn geworden.

  W?hrend der ganzen Zeit, in der Lucien von ihr fernbleiben musste... was ihn all seine Kraft und Selbstbeherrschung gekostet hatte... dachte er st?ndig an sie. Sehnsüchte stiegen in ihm auf, au?ergew?hnlich und überw?ltigend, gegen die er sich nur selten wehren konnte. Immer wieder musste er diese Frau sehen, auch wenn es nur aus der Ferne war. Lucien hatte sich selbst geschworen, erst vor ihr zu treten, wenn er erreicht hatte, was er wollte. Diesen Ort hatte er nur durch ihren Willen zum Leben erweckt, um Emmanline glücklich zu machen und um Entschuldigung zu bitten. All sein Blut, all sein Schwei? floss in diese eine Aufgabe und diesen Schwur, aus dem er nicht entkommen konnte. Je schneller er es vollendete, desto eher konnte er wieder bei ihr sein... das hatte er gehofft.

  Deshalb hatte ihn die Eifersucht fast zerfressen, als Lucien Cyrill und Emmanline zusammen gesehen hatte. Er h?tte beinahe rot gesehen. Seine Selbstbeherrschung hing an einem dünnen, seidigen Faden, der jederzeit h?tte rei?en k?nnen. H?tte er nicht gesehen, wie zurückhaltend sich Emmanline gab, w?re er vermutlich auf seinen alten Freund losgegangen und h?tte ihn im wahrsten Sinne des Wortes zerlegt. Lucien wusste, dass Cyrill niemals etwas tun würde, weil dieser verstand, dass Emmanline seine Seelengef?hrtin war. Doch sein Instinkt hatte ihm beinahe jede Vernunft genommen. Sie war die Seine... und sie würde es immer bleiben. Dafür würde er sorgen. Dafür würde er alles geben, was er konnte und hatte.

  Mein.

  Am Ende, als Lucien mit ihr allein war, lie? seine Anspannung ihn kaum Luft holen. Er fürchtete, sie k?nnte ihn jeden Moment zurückweisen. Ja, er war müde und vollkommen ersch?pft, denn er hatte sich keinen Moment Ruhe geg?nnt, bevor er seine Aufgabe erfüllt hatte. Es hatte ihn unz?hlige N?chte, Schlaf und Kraft gekostet... doch alles war den Augenblick wert, den er nun vor sich hatte. Ihre Augen funkelten wie silbriger Mondschein, der die Nacht noch geheimnisvoller wirken lie?. Das Sanfte in ihr w?rmte ihn, und endlich, nach unbestimmter Zeit, konnte er wieder richtig atmen... auch wenn sein Herz sich nicht beruhigen wollte. Ihre Herzen schlugen fast im gleichen Takt, so synchron, dass es ihn zugleich beruhigte und elektrisierte.

  ?Verzeihst du mir wirklich?“ Lucien konnte nicht anders, er musste sicher sein, dass sie ihre Worte ehrlich gemeint hatte.

  Mit ihren wundersch?nen Augen blickte sie ihn an. ?Würdest du diesen Ort erneut zerst?ren wollen?“, fragte Emmanline stattdessen.

  ?Niemals.“ Er war entsetzt, dass sie überhaupt eine solche Frage gestellt hatte. Lucien hatte diesen Ort nicht umsonst zum Leben erweckt, nur um ihn eines Tages wieder zu zerst?ren. Egal, was kommen mochte... er würde es niemals tun. ?Ich werde dir nie wieder etwas wegnehmen, das dir so sehr am Herzen liegt. Bitte, vergebe mir.“ Er schloss die Augen, aus Furcht, sie k?nnte ihre Entscheidung zurücknehmen.

  Ein leiser Seufzer entfuhr ihr. ?Ich habe dir verziehen. Dieser Ort ist wundersch?n. Wie hast du das alles geschafft? Es ist noch viel sch?ner als vorher.“

  Lucien verzog das Gesicht zu einer Grimasse, als er sich daran erinnerte. Es war schwer genug gewesen. ?Ich glaube, das ist unwichtig.“

  ?Unwichtig?“ Emmanline runzelte die Stirn. ?Ich glaube nicht. Verrate es mir.“ Beharrlich sah sie ihn an, und allein ihr Blick lie? ihn fast fluchen. Wie konnte er ihr da noch etwas verwehren?

  Ein knurrender Laut des Nachgebens entwich ihm. ?Ich musste eine Menge Handel abschlie?en, um dir all das zu schenken.“

  ?Was für Handel?“ Sie sah ihn fordernd an, wissend, dass er sich nur ungern ?ffnete.

  ?Waldgeister k?nnen ganz sch?n gierig sein.“ Lucien verzog leicht das Gesicht. ?Sie besitzen keine feste Gestalt und bestehen aus reiner Energie. Deshalb ern?hren sie sich nur von Energie, um zu überleben... egal, ob von Lebewesen oder von der Natur.“

  ?Soll das bedeuten, du hast als Austausch für all das deine eigene Energie gegeben?“ Ihre Stimme klang überrascht... oder war es Entsetzen?

  ?So in etwa“, antworte Lucien knapp.

  ?Das würde bedeuten, du hast eine Menge geben müssen. All das ist unsagbar viel. Darum bist du auch so ersch?pft und müde.“ Ihre Stimme wurde zu einem Flüstern, w?hrend Emmanline suchend in seinem Gesicht las. ?Du h?ttest das niemals tun müssen.“

  ?Doch, das musste ich, Emmanline. Es sollte nur für dich sein und diese Energie habe ich gern für dich gegeben. Ich würde es immer wieder tun, damit du glücklich bist.“ Lucien l?chelte sie warmherzig an.

  Emmanline versuchte, den Kopf zu schütteln, doch es gelang ihr kaum, da er ihr Gesicht noch immer in seinen H?nden hielt. ?Ich h?tte das auch tun k?nnen. Ich kann Pflanzen wachsen lassen.“

  ?Ich wei?, meine Kleine.“ Sein L?cheln wurde zu einem sanften Schmunzeln. ?Meine Energie kommt wieder. Mach dir keine Gedanken... ich werde wieder zu Kr?ften kommen. Oder hast du vergessen, dass ich unsterblich bin? Ich bin ein Drache.“ Sein Blick wanderte sofort zu ihren Lippen, die sie so fest zusammenpresste. Wie sehr er sich danach sehnte, seinen Mund auf ihren zu legen. Zuerst z?rtlich, dann fordernder, bis sich der Kuss zu einem Sturm aus Feuer und Verlangen entfachte. Diese kleine Frau war so verführerisch, so überw?ltigend anziehend, dass seine Beherrschung an einem hauchdünnen Faden hing. Lucien wollte sie ganz... mit Haut und Haaren. Behutsam lie? er ihr Haar durch seine Finger gleiten. Es war weich wie Seide, so rein wie frischer Schnee auf einem Berggipfel. Exquisit. ?Wirst du bei mir bleiben, Emmanline?“ Er sah wieder in ihre Augen, die voller W?rme funkelten. ?Ich versprec...“ Lucien verstummte, als ihre zarten Finger sich sanft auf seine Lippen legten.

  ?Nein, tu das nicht.“ Ihre Bitte war kaum mehr als ein Hauch. ?Versprich mir nichts, was du nicht halten kannst. Immer wenn du mir ein Versprechen gegeben hast, konntest du es nicht halten.“

  Lucien genoss jede Sekunde, in der ihre Finger über seine Lippen strichen und sogar seine Konturen nach zeichneten. Ein leicht verlegenes L?cheln schlich sich auf seine Lippen, und er konnte kaum glauben, dass er überhaupt verlegen sein konnte. ?Würdest du… Emmanline?“ Seine Stimme war tief, rau, bittend. ?Bleib bei mir.“ Er legte erneut seine Stirn sanft gegen ihre, w?hrend er ihre Finger mit seinen verschr?nkte und ihre Hand behutsam in seine schloss. Eine Bitte. Ein Flehen. Und ein unausgesprochener Schwur in seiner Stimme.

  Ihr Kopf legte sich leicht schr?g, w?hrend Emmanline ihn prüfend anschaute. Wie gerne würde Lucien wissen, was in ihrem kleinen K?pfchen vorging. Er konnte sehen, wie sehr sie darüber nachdachte, alles abwog, jede M?glichkeit in Betracht zog. Sie war wirklich au?ergew?hnlich. Vorsichtig, ja... aber am Ende machte genau das sie klug. Wundersch?n. Ja, sie war jung, doch sie trug mehr Wissen und Erfahrung in sich, als irgendein anderes Wesen ihres Alters besitzen k?nnte.

  ?Ich wei? nicht, was ich darauf antworten soll.“ Ihre Stimme war leise, ehrlich, unverstellt. ?Ein Teil von mir verlangt danach, so weit wie m?glich vor euch Drachen zu fliehen. Aber ein anderer Teil…“ Emmanline schüttelte den Kopf und seufzte. ?Ich verstehe mich selbst nicht mehr. Ich will fliehen, aber etwas in mir dr?ngt mich zu bleiben. Es verwirrt mich, und manchmal macht es mir Angst. Ich zweifle an mir selbst.“

  Lucien reagierte sofort. Ohne nachzudenken, zog er sie an seine Brust und schloss sie fest in seine Arme. ?Nein. Du darfst niemals an dir selbst zweifeln.“ Seine Stimme war tief, entschieden, voller W?rme. ?Ich bin hier, um für dich da zu sein. Um dich zu beschützen. Ich werde immer da sein... egal, wofür du dich entscheidest.“ Emmanline schmiegte sich sofort an ihn. Ihre Arme glitten um seine Taille, ihr K?rper gab weich nach. Er sog ihren vertrauten Duft ein, warm, sonnig, weiblich... ein Duft, der ihn beruhigte und zugleich v?llig aus der Fassung brachte. Genau das hatte Lucien vermisst. Ihre Anschmiegsamkeit, ihr feines, schlankes Wesen, das sich so vollkommen gegen ihn fügte. Hier fühlte er sich richtig. Hier fühlte er sich endlich angekommen. Sie gab ihm das Gefühl, ein Ziel erreicht zu haben, von dem er nie gewusst hatte, wie sehr er es gebraucht hatte.

  ?Das habe ich vermisst“, murmelte Emmanline an seiner Brust, w?hrend sie ihr Gesicht gegen ihn drückte. ?Dein Geruch… er duftet so erdig.“ Sie atmete tief ein, als wollte sie ihn in sich speichern. Dann hob sie den Kopf und sah ihn an. ?Warum fühle ich mich so zu dir hingezogen? Ich wei?, dass du es wei?t, aber... du verschweigst es mir.“

  Diese Worte h?tten ihn aus der Ruhe bringen sollen, doch sie taten es nicht. Lucien wusste l?ngst, dass er ihr die Wahrheit nicht ewig vorenthalten konnte. Emmanline hatte vollkommen Recht. Er wusste, warum sie sich zu ihm hingezogen fühlte... genauso stark, wie er zu ihr. Es war wie ein magischer Magnet, der sie immer wieder zueinander trieb. Sie waren an einem Punkt angekommen, an dem sie sich nicht mehr voneinander l?sen konnten... ob sie bereit war oder nicht. Ihre Seelen waren bereits miteinander verwoben, wie ein Teppich aus tausend goldenen F?den.

  ?Ja, ich wei? es“, gestand Lucien. ?Du verdienst die Wahrheit und ab heute werde ich vollkommen ehrlich zu dir sein. Ich werde dir nichts mehr verheimlichen. Ich kann es nicht mehr, selbst wenn ich wollte. Denn du bist meine Se...“

  ?LUCIEN!“ Eine aufgebrachte Stimme schnitt durch die Nacht wie ein Schwert und riss beide aus diesem bedeutenden Moment.

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