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28. Emmanline

  Emmanline war noch immer benommen von diesem Kuss. Er hatte sie überrumpelt, ihre Sinne bet?ubt und ein Gefühl in ihr hinterlassen, das sie beunruhigte. Sie hatte Mühe, sich zu konzentrieren. Der Kuss war so einnehmend gewesen, dass sie sich nicht dagegen hatte wehren k?nnen. Es entsetzte sie, wie sehr sie sich davon angezogen fühlte. Mit sich ringend, nahm sie die sanften Berührungen und seine vorsichtigen Worte hin. Was sollte sie von seinen st?ndigen Stimmungsschwankungen halten? Mal war er grob und unfreundlich, dann wieder z?rtlich und aufmerksam, nur um sie im n?chsten Moment erneut abzusto?en. Sie wusste nie, woran sie bei ihm war. In einem Augenblick wollte sie fliehen, sich verschlie?en und doch... ein anderer Teil in ihr sehnte sich danach, ihm etwas anzuvertrauen, aber konnte es letzten Endes nicht.

  ?Mein Rücken“, flüsterte Emmanline kaum h?rbar. Doch der Drache hatte ein feines Geh?r.

  Er blieb ruhig und ernst. ?Darf ich es mir anschauen? Ich werde dir nicht wehtun“, ert?nte seine Stimme sanft und behutsam, als müsste er befürchten, sie zu verschrecken.

  Emmanline z?gerte, doch dann drehte sie sich langsam halb von ihm weg, um ihm den Blick zu erm?glichen. Warum sie sich so preisgab, wusste sie selbst nicht, aber ein innerer Drang überkam sie. Es war einfach unerkl?rlich. Eine G?nsehaut überzog ihre helle Haut, als er mit seiner warmen Hand die Tr?ger ihres hellblauen Kleides über ihre Schultern schob. Selbst der leichte Stoff verursachte ihr Schmerzen, doch sie hielt still. Natürlich entging es ihm nicht und er wurde nur noch behutsamer in seiner Bewegung. Peinlichkeit stieg in ihr auf, als ihr Kleid Stück für Stück mehr nackte Haut entbl??te und ihren Rücken frei machte. Eine R?te kroch ihr ins Gesicht. Emmanline war dankbar, dass er nicht ihr Gesicht sehen konnte, als sie sich leicht nach vorne beugte, die H?nde vors Gesicht legte und den Atem anhielt. Ihre andere Hand griff nach dem Stoff des Bettes und verdeckte die Bl??e ihrer Brüste. Seine Fingerspitzen berührten flüchtig ihre Haut und ein Schauer durchfuhr sie. Ihre Sinne spielten v?llig verrückt.

  ?Verflucht“, entfuhr es ihm leise. Emmanline wusste, er konnte alles sehen. Wirklich alles und wie schlimm es war, wusste sie selbst nicht. Sie schaute nie nach ihren Verletzungen, weil sie nie das komplette Ausma? sehen wollte. ?Wie ist das passiert? Dein ganzer Rücken ist ein einziger blauer, dunkler Fleck. Eine ordentliche Prellung. Warum hast du nichts gesagt?“, knurrte er leise, aber wütend. Die Hitzewelle seiner Macht traf sie mit einer Wucht.

  ?I... ich habe es vorher nicht gespürt. Wahrscheinlich lag es am Adrenalin und weil... ich es gewohnt bin, gr??ere Schmerzen zu ertragen.“ Ihre Stimme war ruhig, fast beil?ufig. Sie rechnete damit, dass er sie gleich zur Rede stellen würde. Doch nichts kam. Verwundert drehte Emmanline ihren Kopf zur Seite, um ihn anzusehen. Er kniete immer noch neben dem Bett und er war angespannt. Sein Kiefer war so fest zusammengepresst, als würden seine Z?hne gleich zersplittern. Sein Blick war auf ihren Rücken gerichtet. Hitze stieg erneut in ihr auf und ihre Wangen glühten vor Scham. Emmanline fühlte sich nun nur noch mehr entbl??t. Rasch zog sie am Saum ihres Kleides, um es wieder nach oben zu schieben, doch er hielt sie pl?tzlich an den Handgelenken fest. ?W... was soll das? Lass mich“, zitterte ihre Stimme leicht vor Beklemmung.

  ?Mein Bruder... war das von Alastar? Als er dich zu Boden gerissen hat?“ Seine Stimme war ruhig, doch sein Blick glühte vor ungezügelter Zorn, als er in ihre Augen schaute.

  Emmanline ?ffnete ihren Mund leicht, aber schloss ihn wieder. Jede Erkl?rung w?re unn?tig. ?Mach dich nicht l?cherlich. Es spielt keine Rolle, wer es war. Es wird bald verheilt sein. Es sieht schlimmer aus, als es ist“, bekr?ftigte sie und so war es auch. Sie besa? erstaunliche Selbstheilungskr?fte, aber machte es nicht angenehmer, wenn sie Verletzungen davon trug. Alles hatte in ihrer Natur ein für und wieder.

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  ?Also ja, er war es.“ Der Drache sprang wutentbrannt auf, begann auf und ab zu laufen. Ein leises Knurren begleitete seine Schritte und von seinem K?rper ging eine gef?hrliche Hitze aus. ?Wenn ich ihn das n?chste Mal sehe, haue ich ihm eine rein.“

  Emmanline blinzelte verwirrt und über seine Reaktion. ?Ich habe doch gesagt, es geht mir gut. Es wird bald wieder verheilt sein.“

  ?Darum geht es nicht, Emmanline. Er wusste, dass du mir geh?rst. Mein Geruch haftet überall an dir. Er hatte kein Recht, dich anzufassen.“ Seine Stimme wurde rauer und t?dlicher. ?Du geh?rst mir. Hast du verstanden?“

  Sie wollte ihm entgegenschleudern, dass sie kein Besitz war. Ein bitterer Gedanke hielt Emmanline zurück. War sie nicht schon immer nur weitergereicht worden? Als w?re sie nie mehr als genau das gewesen? Der Gedanke, dass sein Geruch sie markierte, lie? sie erschaudern. Schnell zog sie ihr hellblaues Kleid wieder richtig an und setzte sich aufrecht hin. ?Es ist doch gut jetzt“, murmelte Emmanline ersch?pft und leicht entsetzt. Warum machte er solch einen Aufstand? ?Mein Heilungsprozess ist schneller als bei anderen Wesen. Du h?rst es auch an meiner Stimme, das sie wieder v?llig normal ist und mein Hals schmerzt schon l?ngst nicht mehr“, meinte sie, weil es der Wahrheit entsprach. Schon bevor er den Raum betrat, regenerierte sich ihr Hals von der Quetschung des anderen Drachen, der sie gewaltsam niedergestreckt hatte. ?Aber wie lange willst du mich denn behalten?“

  Der Drache blieb vor dem Fenster stehen, ohne sie anzusehen. ?Ich wei? es nicht. In zwei Tagen muss ich zu einem wichtigen Treffen. Ich kann dich nicht mitnehmen. Du wirst hierbleiben und Aiden wird auf dich aufpassen.“

  Hatte sie sich verh?rt? ?W... wie bitte? Und wie lange?“ Runzelte Emmanline verwirrt mit ihrer Stirn, weil sie dachte, sich verh?rt zu haben.

  ?Ich kann es dir nicht sagen und auch nicht, wohin ich gehe.“ Emmanline hatte gerade Luft geholt, um zu fragen, doch er kam ihr zuvor. Ihre Worte blieben ihr im Hals stecken.

  ?Verstehe.“ Es klang leer und tonlos aus ihrem Mund.

  ?Ich meine es ernst. Ich komme so schnell wie m?glich zurück“, sagte er entschlossen und rechtfertigte sich vor ihr, w?hrend er sich zu ihr umdrehte und sie erwartungsvoll anblickte. Als k?nne sie ihm alles glauben.

  ?Ich sagte doch, ich habe es verstanden. Wieso sagst du mir das überhaupt? Du kannst doch hingehen, wohin du willst“, sagte sie mit sarkastischer Stimme. ?Oder willst du etwa meine Erlaubnis haben?“ Ihre Stimme klang ungl?ubig.

  Er sah sie an. Sein Blick war glühend hei? und durchdringend. ?Nein, will ich nicht, aber du wirst hierbleiben.“

  Das war nichts Neues. Natürlich würde sie hierbleiben müssen. ?Und was hast du jetzt mit mir vor? Willst du mich hier in den Kerker werfen? Oder vielleicht doch irgendwo anketten?“, fragte Emmanline beil?ufig und sie war auf alles vorbereitet. Es war ja nicht so, dass sie nicht schon alles kannte. Au?er dieser Drache war noch kreativer als der vorherige.

  Seine Augenbrauen zogen sich finster zusammen und in seinen glühenden Augen zeigte sich erneut sein wütender Drache. ?Nein, nichts davon. Du wirst dieses Zimmer bewohnen, was meine R?umlichkeiten sind. Ich werde dich nicht in den Kerker werfen und ich werde dich auch nicht mehr anketten. Jetzt, da ich wei?, wie du auf Eisen reagierst.“

  ?Nur auf Eisen. Du kannst sonst alles andere verwenden.“ Ihre Worte waren trocken, beinahe sarkastisch. Emmanline merkte selbst, wie verrückt ihre Worte klangen. Immerhin war sie es gewohnt, Dinge über sich ergehen zu lassen. Also machte es keinen Unterschied mehr, wenn sie ihm diese Alternativen vorschlug.

  ?Hast du mir nicht zugeh?rt? Ich werde dich nicht fesseln. Du bleibst hier, bis ich zurück bin“, sprach er harsch.

  Sie presste ihre Lippen aufeinander und senkte ihren Kopf. Einem Gefangenen blieb nur das Schweigen. Alles andere war verschwendete Mühe.

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